
Kaiser Wilhelm II. läßt ab 1898 eine Flotte bauen, die über die bisher betriebene Küstenverteidigung hinaus die Handels- und Überseeverbindungen bei internationalen Krisen oder im Verteidigungsfall vor Unterbrechungen schützen soll.
Deutschland begibt sich damit auf ein Feld, auf dem andere Nationen längst zu-hause sind, so daß der Ausbau der eigenen Marine zunächst nicht ungewöhnlich ist. 1898 erläßt der Deutsche Reichstag sein erstes Flottenbaugesetz. England hatte schon 1889 und 1894 neue Flottenbauprogramme eingeleitet, Rußland 1890 und 1895, Japan 1896 und die USA 189711. Kaiser Wilhelm II., der Deutsche Reichstag und die Marineleitung unter Admiral von Tirpitz begehen mit dem Ausbau der bis dahin kleinen deutschen Kriegsmarine 1898 also beileibe nichts, das man neu, kriegstreibend oder unmoralisch nennen könnte. Die deutsche Flotte besteht 1898 – was die großen „Kaliber“ anbelangt – schließlich nur aus 9 Schlachtschiffen und Kreuzern erster Klasse. Die britische im Vergleich dazu aus 7212.
11 MGFA, Marine, Seite 222
12 MGFA, Marine, Seite 181
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1900 bewilligt der Deutsche Reichstag sein zweites Flottenbaugesetz, das den Ausbau der eigenen Marine auf eine Stärke von etwa zwei Dritteln der englischen bis zum Jahre 1920 vorsieht. Das ruft Großbritannien auf den Plan. Der deutsche Flottenbau ab 1898 verfolgt zunächst das allgemeine Ziel, daß Deutschland im Rennen der modernen Staaten um Märkte und Einfluß in der Welt Schritt halten kann und nicht zurückfällt. Im besonderen aber, vor allem ab 1900, versuchen die Reichsregierung, der Kaiser und die Marineleitung, eine neue Position gegenüber England aufzubauen. Deutschland will damit erstens seine Fisch-fangflotte vor den rüden Übergriffen der englischen Fischer schützen.
