Wir beerdigten ihn heute nachmittag im Schatten des grauen alten Kirchturms in dem Dorf, in dem mein Haus steht. Es war ein trauriger, düsterer Dezembernachmittag, und der Himmel war bleischwer vor Schnee. Es fiel jedoch nicht viel. Der Sarg war neben dem Grab aufgestellt, und ein paar große Flocken ließen sich auf ihm nieder. Wie weiß sie schienen auf dem schwarzen Tuch! Es gab eine kleine Verzögerung - man hatte vergessen, die Seile, an denen der Sarg in das Grab hinabgelassen wird, mitzubringen. Wir baten ein paar Schritte zurück und warteten schweigend, daß man sie hole. Sanft fielen die dicken Flocken auf den Sarg; eine neben die andere - wie eine vom Himmel herabgesandte Weihe, und auf Harrys Leichentuch zerschmolzen die Flocken zu Tränen. Aber das war noch nicht alles: ein kleines Rotkehlchen kam keck herbeigeflogen und setzte sich auf den Sarg, wo es laut zu singen begann. Da überwältigte mich der Schmerz, und ich brach zusammen. Ebenso erging es Sir Henry Curtis, einem wahren Baum von einem Mann. Und auch Captain Good mußte sich schmerzerfüllt abwenden, wie ich trotz meiner eigenen unendlichen Trauer bemerkte.

Diese Worte, unterzeichnet mit >Allan Quatermain<, sind ein Auszug aus meinen Tagebuchaufzeichnungen. Diese Worte wurden vor mehr als zwei Jahren geschrieben. Ich schreibe den Auszug deshalb hier, weil mir scheint, daß er den treffendsten Anfang darstellt für die Geschichte, die ich mich hier und jetzt zu schreiben anschicke; möge Gott mich solange am Leben erhalten, bis ich sie vollendet habe! Wenn nicht -nun, so macht es nichts. Den obigen Tagebuchauszug schrieb ich ungefähr siebentausend Meilen entfernt von dem Orte, an dem ich jetzt liege und langsam und unter unsäglichen Mühen diese Worte schreibe. Zu meiner Seite steht ein hübsches Mädchen und wedelt die Fliegen von meinem Antlitz. Harry ist dort, und ich bin hier; und doch fühle ich irgendwie, daß ich nicht mehr weit von Harry entfernt bin.



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