
AW:
Meine Vernunft achtet darauf, dass meine Gefühle immer genug Luft kriegen.
30 Sekunden später
RE:
Aber nach draußen dürfen sie nicht. Frei sind sie niemals. Leo, ich sage dir, du hast einen eingeschränkten Gefühlshaushalt. Daran solltest du arbeiten. So, ich werde mich für heute verabschieden (rät mir meine Vernunft) und werde die Worte, die du über unser bevorstehendes Treffen verloren oder nicht verloren hast, auf mich wirken lassen. Gute Nacht!
20 Sekunden später
AW:
Schlaf gut, Emmi!
Am nächsten Tag
Betreff: Zielgerade
Hallo Leo, bringen wir's hinter uns: Ich kann am Samstag um 14 Uhr. Soll ich dir sagen, wie ich aussehe, damit du mich nicht lange suchen musst? Oder willst du von mir gefunden werden, sitzt irgendwo gelangweilt in der Masse, blätterst in einer Zeitung und wartest darauf, dass ich dich anspreche? Im Tonfall а la: »Entschuldigung, ist der Sessel noch frei? Äh, sind Sie zufällig Herr Leike mit dem verschlossenen Gefühlsschrank? Ich wäre dann also Emmi Rothner, freut mich, doch noch Ihre Bekanntschaft zu machen beziehungsweise gemacht zu haben. Und…«- zur Zeitung schielend — , »… was gibt es sonst noch Neues in der Welt?«
Zwei Stunden später
Betreff: Sorry
Leo, verzeih mir bitte meine vorige E-Mail! Sie war so, so, so… Jedenfalls war sie nicht besonders nett. Dafür hätte ich eigentlich den Systemmanager verdient.
Zehn Minuten später
AW:
Welchen Systemmanager?
50 Sekunden später
RE:
Ach, vergiss es. Das ist ein Running Gag zwischen mir und mir. Ist Samstag, 14 Uhr, für dich okay?
