«So hab ich das nie gesehen.«

«Ich frage mich, ob jede Stunde ihren eigenen Geist hat.«

R. J.s poetische Gedankengänge entzückten Bunny, auch wenn sie es sich nicht verkneifen konnte, ihre Schwester damit aufzuziehen. Bunnys Verstand funktionierte redlich und geradeaus, ganz ähnlich wie eine Lokomotive. Sie mochte Ideen haben, Waggons, die sie an die Lok ihrer Sehnsucht anhängte, aber alles verlief im Gleis. R. J.s Verstand nahm alles auf, aber sie ordnete es nicht gleich. Es war, als sähe sie die Welt mit den Facettenaugen einer Libelle, eine Reihe von separaten, dennoch zusammenhängenden Bildern. Anders als ihre jüngere Schwester konnte R. J. ihre Gedanken schweifen lassen. Sie hatte kein großes Bedürfnis, allem auf den Grund zu gehen.

«Wer ist das?«Bunny sichtete ein großes Motorboot, ein Chris Craft. Sie hob das Glas an die Augen, um die Yacht-ClubFlagge zu erkennen, die hinten flatterte.»Bahia Mar. Das ist in Fort Lauderdale.«

«Vermutlich auf dem Weg zurück, zum Überwintern.«

«Der Winter ist noch weit.«

«Wenn wir Glück haben. «R. J. setzte sich, nahm ein Ruder in jede Hand.»Machen wir 'ne Spritztour?«

«Klar. «Bunny ließ sich anmutig ins Boot fallen, drehte sich um und machte es los.

Am Wasser aufgewachsen, waren die zwei Frauen in ihrem Element. Sie handhabten jedes Boot mit einer Leichtigkeit, um die die Leute, die erst später im Leben dazu kamen, sie beneideten. Beide konnten den Fluß lesen, die Strömungen, die Temperatur, das rasche Bilden einer Sandbank, die in einem heftigen Sturm weggewaschen werden konnte. Sie kannten sich einfach aus.

R. J. groß und stark wie ihre älteste Tochter, ruderte mit vier kräftigen Schlägen hinaus ins tiefere Wasser. Dann wendete sie das Boot flußabwärts, so daß sie sich eine Weile treiben lassen konnten. Bunny blickte durch ihr Glas auf die Uferlinie.»Blaureiher. Stockente. Eine Menge Stockenten dieses Jahr, und das da ist ein Erpel mit gelb-grünem Schnabel. «Ohne den Feldstecher sinken zu lassen, fragte sie:»Und was wollt ihr jetzt machen?«



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