
»Professor Perrier war ein Spezialist für Gehirnoperationen. Subtilste Feinmechanik, Eugenie. Wir schneiden in Bäuchen herum. Das ist etwas anderes.« Veber klappte seine Eintragungen zu und stand auf. »Sie haben gut gearbeitet, Ravic. Aber gegen Pfuscher kann man schließlich nichts machen.«
»Doch — manchmal kann man.« Ravic trocknete sich die Hände ab und zündete sich eine Zigarette an. Die Schwester öffnete in schweigender Mißbilligung ein Fenster. — »Bravo, Eugenie«, lobte Veber. »Immer nach der Vorschrift .«
»Ich habe Pflichten im Leben. Ich möchte nicht gern in die Luft fliegen.«
»Das ist schön, Eugenie. Und beruhigend.«
»Manche haben eben keine. Und wollen keine haben.«
»Das geht auf Sie, Ravic!« Veber lachte. »Besser, wir verschwinden. Eugenie ist morgens sehr aggressiv. Hier ist sowieso nichts mehr zu tun.«
Ravic sah sich um. Er sah die Schwester mit den Pflichten an. Sie erwiderte furchtlos seinen Blick. Die Brille mit dem Nickelrand gab ihrem kahlen Gesicht etwas Unantastbares. Sie war ein Mensch wie er, aber sie war ihm fremder als ein Baum. »Entschuldigen Sie«, sagte er. »Sie haben recht.«
Auf dem weißen Tisch lag das, was vor ein paar Stunden noch Hoffnung, Atem, Schmerz und zitterndes Leben gewesen war. Jetzt war es nur noch ein sinnloser Kadaver — und der menschliche Automat, Schwester Eugenie genannt, der stolz darauf war, nie einen Fehltritt begangen zu haben, deckte es zu und karrte es fort. Sie sind die ewig Überlebenden, dachte Ravic, das Licht liebt sie nicht, diese Holzseelen, deshalb vergißt es sie und läßt sie lange leben.
»Auf Wiedersehen, Eugenie«, sagte Veber. »Schlafen Sie sich aus heute.«
»Auf Wiedersehen, Doktor Veber. Danke, Herr Doktor.«
»Auf Wiedersehen«, sagte Ravic. — »Entschuldigen Sie mein Fluchen.«
