
»Halbleere Gläser sind scheußlich. Laß stehen, was du nicht trinkst.«
»Warum? Das wäre doch Verschwendung.«
Ravic blickte auf. Er sah das verläßliche, vernünftige Gesicht und lächelte. »Verschwendung! Die alte französische Angst. Wozu sparen? Mit dir wird auch nicht gespart.«
»Dies hier ist Geschäft. Das ist etwas anderes.«
Ravic lachte. »Laß uns ein Glas darauf trinken! Was wäre die Welt ohne die Moral des Geschäftes! Ein Haufen Verbrecher, Idealisten und Faulenzer.«
»Du brauchst ein Mädchen«, sagte Rolande. »Ich kann Kiki telefonieren. Sie ist sehr gut. Einundzwanzig Jahre alt.«
»So. Auch einundzwanzig Jahre alt. Das ist heute nichts für mich.« Ravic goß sein Glas wieder voll. »Woran denkst du eigentlich, Rolande, bevor du einschläfst?«
»Meistens an gar nichts. Ich bin zu müde.«
»Und wenn du nicht zu müde bist?«
»An Tours.«
»Warum?« »Eine Tante von mir hat da ein Haus mit einem Laden drin. Ich habe zwei Hypotheken darauf gegeben.Wenn sie stirbt — sie ist sechsundsiebzig —, bekomme ich das Haus. Ich will dann aus dem Laden ein Café machen. Helle Wände mit Blumenmustern, eine Kapelle, drei Mann: Klavier, Geige, Cello; im Hintergrund eine Bar. Klein und gut. Das Haus liegt in einem guten Viertel. Ich glaube, daß ich es mit neuntausendfünfhundert Franks einrichten kann, mit den Vorhängen und Lampen sogar. Dann will ich noch fünftausend Franks in Reserve haben für die erste Zeit. Und natürlich die Mieten aus der ersten und zweiten Etage. Daran denke ich.«
»Bist du in Tours geboren?«
»Ja. Aber niemand weiß, wo ich seitdem war. Und wenn das Geschäft gut geht, wird auch niemand sich darum kümmern. Geld deckt alles zu.«
»Nicht alles. Aber vieles.«
