
»Wollen Sie Kaffee?« fragte er. »Es ist das einzige, was hier gut ist.«
Die Frau schüttelte den Kopf. Er sah sie genauer an. »Ist was los? War jemand hier?«
»Nein.«
»Aber irgendwas muß doch los sein. Sie starren mich ja an wie ein Gespenst.«
Die Frau bewegte die Lippen. »Der Geruch«, sagte sie dann.
»Geruch?« wiederholte Ravic verständnislos; »Wodka riecht doch nicht. Kirsch und Brandy auch nicht. Und Zigaretten rauchen Sie ja selbst.Was ist daran zu erschrekken?«
»Das meine ich nicht...«
»Was denn, Herrgott?«
»Es ist derselbe... derselbe Geruch...«
»Du lieber Himmel, es wird Äther sein«, sagte Ravic, dem es auf einmal einfiel. »Ist es Äther?«
Sie nickte.
»Sind Sie einmal operiert worden?«
»Nein... es ist...«
Ravic hörte nicht mehr zu. Er öffnete das Fenster. »Wird gleich vorbei sein. Rauchen Sie eine Zigarette inzwischen.« — Er ging ins Badezimmer und drehte die Hähne auf. Im Spiegel sah er sein Gesicht. Er hatte ein paar Stunden vorher schon einmal so gestanden. Inzwischen war ein Mensch gestorben. Es war nichts dabei. Jeden Augenblick starben Tausende von Menschen. Es gab Statistiken darüber. Es war nichts dabei. Aber für den einen, der starb, war es alles und wichtiger als die ganze Welt, die weiter kreiste.
Er setzte sich auf den Rand der Wanne und zog die Schuhe aus. Das blieb immer dasselbe. Die Dinge und ihr stummer Zwang. Die Trivialität, die schmale Gewohnheit in all dem irrlichternden Vergleiten.
