»Gut?« sagte ich.

»Gut.« Sie schluckte. »In Ordnung.«

»Danach«, sagte ich.

Sie nickte. Das Verhängnis, das Unglück zerrte an ihren Augen.

»Ich kümmere mich drum«, versprach ich. »Nachher.«

Sie nickte stumm, wandte sich ab und öffnete fast automatisch ihre Schultertasche, um nach Geld zu suchen. Tat, was ihr Bruder sagte, auch nach all den Jahren. Kam immer noch zu ihrem Bruder, um ihre schlimmsten Probleme zu lösen. Obwohl sie seit vier Jahren verheiratet war, schienen diese Verhaltensmuster, entstanden in einer elternlosen Kindheit, uns beiden nach wie vor selbstverständlich.

Ich hatte mich schon manchmal gefragt, was sich für sie geändert hätte, wäre sie um die entscheidenden zehn Minuten älter gewesen. Wäre sie dann mütterlich geworden? Herrisch vielleicht. Es gab ihr mehr Sicherheit, sagte sie, die jüngere zu sein.

Ich ging weiter zum Führring und verscheuchte bewußt die Erkenntnis, daß ihr jetziges Problem, was immer es war, schwerwiegend sein mußte. Sie war zunächst einmal 150 Meilen von Newmarket gekommen, um mich zu sehen, und sie fuhr ungern.

Ich schüttelte den Kopf, sperrte Holly aus. Das wartende Pferd, die bevorstehende Härteprobe hatte zwangsläufig Vorrang. Ich war in erster Linie niemandes Bruder. Ich war in erster Linie Kit Fielding, Hindernisjockey, in manchen Jahren Champion, in manchen nicht - oder zusammen mit einem anderen -, kam an die Spitze, wenn meine Knochen heil blieben, und beugte mich dem Schicksal, wenn ich sie mir brach.

Ich trug die Farben einer Prinzessin in den mittleren Jahren aus einem enteigneten europäischen Herrscherhaus, einer Frau von starker weiblicher Ausstrahlung, deren Haut dem Sonnenuntergang entgegenwitterte wie Craquele-glasur auf Porzellan. Zobelmantel, wie gewohnt, über den schmalen Schultern. Schimmernd dunkle Haare, hoch aufgesteckt. Schlichte goldene Ohrringe. Ich ging über das Gras des Führrings zu ihr, lächelte, verneigte mich und schüttelte kurz die dargebotene behandschuhte Hand.



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