
»Offengestanden, was du mir da erzählst, kommt mir äußerst konfus vor«, sagte Azzie.
»Das liegt daran, daß ich nervös bin«, behauptete Rognir. »Normalerweise rede ich ganz vernünftig.«
»Dann tu das auch jetzt«, schlug Azzie vor. »Entspann dich, ich will dir nichts Böses.«
Der Zwerg nickte, wirkte aber nicht überzeugt. Er traute keinem Dämon, und das konnte man ihm auch nicht verdenken. Es herrscht viel Rivalität im Reich der Geister, von der die Menschen nichts wissen, da kein Homer oder Vigil zugegen war, wenn sich dort bedeutsame Dinge ereigneten. Zwischen Zwergen und Dämonen hatte es in letzter Zeit erhebliche Spannungen wegen territorialer Streitfragen gegeben. Die Dämonen haben schon immer Anspruch auf die Unterwelt angemeldet, trotz ihrer entfernten Verwandtschaft zu den gefallenen Geschöpfen des Lichts. Sie lieben die unterirdischen Bereiche der Erde, die tiefen Höhlen, Sumpflöcher, Senkgruben, Grotten und Abgründe, die unterirdischen Gänge, die in ihrer poetischen wenn auch düsteren Art, die Dinge zu betrachten, von einer merkwürdigen Schönheit sind. Die Zwerge ihrerseits erheben ebenfalls Anspruch auf die Unterwelt, da sie sich als deren Kinder begreifen, die spontan aus den sich chaotisch windenden Feuerströmen der Urflamme in den Tiefen der Erde geboren wurden. Das ist natürlich nur eine romantisch verklärte Vorstellung: Die wahre Herkunft der Zwerge ist sehr interessant, aber es fehlt die Zeit, sich an dieser Stelle damit zu befassen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es jedoch, auf die Vorstellungskraft hinzuweisen, die Fähigkeit, eine Idee aufzugreifen und sich stur daran festzuklammern. Wie zum Beispiel im Fall der Zwerge ihr Beharren darauf, frei und ungebunden nach Belieben unter der Erde umherziehen zu dürfen, ohne Einschränkungen oder Rücksichtsnahme. Das entspricht allerdings nicht der Einstellung der Dämonen.
