Bolitho biß sich auf die Lippen. Meuterei drohte stets. Die Besatzung bestand zumeist aus Männern, die man an Land aufgegriffen und zum Dienst gepreßt hatte. Ein paar Unruhestifter konnten ein gut gedrilltes Schiff in eine Hölle verwandeln. Aber im Verband mit anderen Schiffen geschah das selten. Gewöhnlich brach diese Raserei auf einem Schiff aus, das für sich allein unter unbarmherziger tropischer Sonne in einer Flaute lag.

Sir Henry Langford fügte scharf hinzu:»Selbstverständlich habe ich den Kapitän seines Kommandos enthoben.»

Bolitho empfand eine sonderbare Zuneigung zu dem müden, gereizten alten Mann, dessen Flaggschiff, ein mächtiger Dreidecker, im Hafen Vorräte übernahm und sich vorbereitete, den Admiral wieder zu seinem Geschwader vor der feindlichen Küste Frankreichs zu bringen.»Selbstverständlich«, hatte der Admiral gesagt. Doch Bolitho wußte, daß viele Admiräle ihre Kapitäne gedeckt hätten, auch wenn sie wußten, daß sie schuldig oder unfähig waren.

Der Admiral lächelte ein wenig.»Ich fürchte, die Ehre, die Phalarope zu übernehmen, hat zwei Seiten. Ein Unglücksschiff ist nie leicht zu führen, vor allem nicht in Kriegszeiten. «Er deutete auf einen versiegelten Umschlag, der auf dem Tisch lag. Die Siegel glänzten im Licht des Kaminfeuers wie frisches Blut.»Ihre Befehle. Sie enthalten die Order, das Schiff sofort zu übernehmen und in See zu gehen. «Der Admiral wog seine Worte sorgfältig ab.»Sie werden zu Sir Samuel Hoods Geschwader stoßen und sich ihm zur Verfügung stellen.»

Bolitho war wie betäubt. Hood stand in Westindien, von wo er selber eben zurückgekehrt war. Im Geiste sah er die abertausend Meilen leerer See vor sich — und sich als Kommandanten eines fremden Schiffes, mit einer Mannschaft, unter der es vor Unzufriedenheit nur so brodelte.



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