Er war so gut wie identisch mit einem halben Dutzend anderer, die bereits gedruckt worden waren, dennoch betrachtete sie ihn mit unverhohlenem Stolz. Schließlich war dieser Text ihr Werk, es waren ihre Worte, für die sie bezahlt wurde, und sie zweifelte nicht dran, dass die Leute im Verbreitungsgebiet des Islander – das gar nicht so klein war – ihn auch tatsächlich lasen. Ihr ehemaliger Englischlehrer an der High School hätte von ars utile gesprochen.

Mit leisem, aber vernehmlichem Stöhnen nahm Vince an seinem Schreibtisch Platz. Es ertönte ein Knacken, als er sich erst nach links, dann nach rechts drehte. »Die Wirbelsäule einrenken«, nannte er das. Dave sagte immer, eines Tages würde er durch sein Einrenken vom Hals abwärts gelähmt sein, doch diese Prognose schien Vince keine Sorgen zu bereiten. Er stellte den Computer an, während sein geschäftsführender Herausgeber auf der Schreibtischkante saß, einen Zahnstocher hervorholte und damit in seinem Gebiss herumbohrte.

»Was liegt heute an?«, fragte Dave, während Vince darauf wartete, dass sein Computer hochfuhr. »Feuer? Flutwellen? Erdbeben? Aufstand der Massen?«


»Ich dachte, ich fange mit Ellen Dunwoodie an. Sie hat den Hydranten auf der Beach Lane umgefahren, als sich die Handbremse ihres Wagens löste. Wenn ich dann so richtig in Fahrt bin, wollte ich meinen Leitartikel über Büchereien noch mal überarbeiten«, sagte Vince und knackte mit den Fingerknöcheln.

Dave warf Stephanie von Vince’ Schreibtisch aus einen Blick zu. »Erst der Rücken, dann die Finger«, sagte er. »Wenn er noch lernt, auf seinem Brustkorb ›Dry Bones‹ zu spielen, können wir ihn bei American Idol anmelden.«

»Nur am Meckern«, sagte Vince liebevoll. »Weißt du, Steffi, irgendwie ist das ja grotesk: Ich sitze hier mit meinen neunzig Jahren, reif für die Kühltruhe, und habe einen brandneuen Macintosh vor mir, und du mit deinen zweiundzwanzig sitzt daneben, zart und knackig wie ein junger Pfirsich, und schreibst auf einem Block wie eine alte Jungfer aus einem Viktorianischen Roman.«



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