»Und das sind wirklich die einzigen Geschichten, die ihr kennt? Ihr kennt echt nur welche, die schon in Büchern und großen Zeitungen breitgetreten wurden?«

Vince schaute seinen langjährigen Kollegen an.

»Habe ich das gesagt?«

»Nein«, antwortete Dave. »Ich auch nicht, glaube ich.«

»Ja, was kennt ihr denn noch für ungelöste Rätsel? Und warum habt ihr sie ihm nicht erzählt?«

Wieder schauten sich die beiden Alten an, und erneut hatte Stephanie McCann das Gefühl, dass sie telepathisch verbunden waren. Vince nickte mit dem Kinn Richtung Tür. Dave stand auf, durchquerte den grell beleuchteten langen Raum (im dunkleren Teil stand der Koloss der altmodischen Offsetdruckerpresse, die seit über sieben Jahren nicht mehr gelaufen war) und drehte das in der Tür hängende Schild von OFFEN auf GESCHLOSSEN. Dann kam er zurück.

»Geschlossen? Mitten am Tag?«, fragte Stephanie mit einem leichten Anflug von Unbehagen, der sich vielleicht sogar in ihre Stimme stahl.

»Wenn jemand eine Nachricht für uns hat, wird er schon anklopfen«, sagte Vince im Brustton der Überzeugung. »Wenn es eine Riesenneuigkeit ist, schlägt er die Tür ein.«

»Und wenn im Ort ein Feuer ausbricht, hören wir die Sirene«, warf Dave ein. »Komm mit raus auf die Veranda, Steffi. Augustsonne darf man nicht verpassen, scheint nicht lange.«

Sie sah erst Dave und dann Vince Teague an, der mit seinen neunzig Jahren geistig noch so fit war wie mit fünfundvierzig.

»Gibt’s wieder Unterricht?«, fragte sie.

»Allerdings«, erwiderte Vince, und sie spürte, dass es ihm ernst war, auch wenn er lächelte. »Und warum machen so alte Knacker wie wir das gerne?«

»Weil ihr nur Schüler habt, die was lernen wollen.«

»Ah jo. Willst du etwas lernen, Steffi?«

»Klar.« Trotz des sonderbaren Unbehagens bejahte sie spontan.

»Dann komm mit raus auf die Veranda«, sagte er. »Setz dich ein bisschen hin.«



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