»Die Namen habe ich noch nie gehört«, sagte Stephanie.

Vince schlug sich auf den Hinterkopf. »Ah jo, ich Dummkopf. Ich vergesse ständig, dass du nicht von hier bist.«

»Soll ich das als Kompliment verstehen?«

»Könntest du, solltest du sogar. Clayton Riggs und Ella Ferguson waren die Einzigen, die damals beim Picknick am Tashmore Lake den Eiskaffee getrunken haben und nicht daran gestorben sind. Der Ferguson geht’s ganz gut, aber Riggs’ linke Körperhälfte ist gelähmt.«

»Wie schrecklich! Und trotzdem werden sie immer wieder befragt?«

»Ah jo. Fünfzehn Jahre sind ins Land gegangen, und wahrscheinlich weiß jeder, der noch einen Funken Verstand im Kopf hat, dass niemals jemand für dieses Verbrechen belangt werden wird – acht Menschen am Seeufer wurden vergiftet, sechs davon starben –, dennoch tauchen Ferguson und Riggs immer wieder in der Presse auf, jedes Jahr klappriger: ›Was geschah an jenem Tag?‹ oder ›Der Schrecken am See‹ und so weiter … du weißt, was ich meine. Es ist einfach eine Geschichte, die die Leute gerne hören, so wie ›Rotkäppchen‹ oder ›Die drei kleinen Schweinchen‹. Die Frage ist bloß: warum?«

Stephanie war schon ein Stück weiter. »Ihr habt da was, oder?«, fragte sie. »Eine Geschichte, die ihr ihm nicht erzählt habt. Stimmt’s?«

Wieder tauschten die Männer einen Blick aus, doch diesmal konnte Stephanie nicht einmal ansatzweise enträtseln, welchen Gedanken die beiden hatten. Sie saßen in identischen Gartenstühlen. Stephanies Hände ruhten auf den Armlehnen. Dave beugte sich vor und tätschelte ihre Hand. »Wir werden’s dir erzählen, nicht wahr, Vince?«

»Doch, denke schon«, sagte Vince und lächelte in die Sonne. Erneut legte sich seine Haut in unzählige Falten.



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