
»Meistens legen sich die Leute eine Geschichte zurecht und bleiben dann dabei«, erklärte Vince. »Das ist nicht schwer, solange es nur eine Unbekannte gibt: einen Giftmischer, eine mysteriöse Lichterscheinung, ein auf Grund gesetztes Schiff mit nur einem Mann Besatzung an Bord. Aber bei Colorado Kid gibt es eigentlich nur Unbekannte und deshalb gibt es keine richtige Geschichte.« Er hielt inne. »Wie eine Lokomotive, die aus dem Kamin kommt, oder Pferdeköpfe, die eines Morgens in der Auffahrt liegen. Nicht so spektakulär, aber genauso unerklärlich. Und solche Dinge …« Er schüttelte den Kopf. »Steffi, so was mögen die Leute nicht. Sie wollen so was einfach nicht. Wenn man am Strand steht, ist ein gewaltiger Brecher schön anzusehen, aber zu viele machen seekrank.«
Stephanie sah hinaus auf die funkelnde Wasserfläche – voller Wellen, aber sie waren nicht groß, heute nicht. Schweigend dachte sie nach.
»Da ist noch was«, sagte Dave nach einer Weile.
»Was denn?«, fragte sie.
»Die Story gehört uns«, erwiderte er, mit überraschendem Nachdruck. Stephanie fand, dass es fast zornig klang. »Ein Typ vom Globe, einer, der nicht von hier kommt, der würde sie nur vermasseln. Der würde sie nicht verstehen.«
»Und du verstehst sie?«, fragte sie.
»Nein«, entgegnete er und setzte sich wieder. »Muss ich ja auch nicht, mein Mädchen. Was Colorado Kid angeht, bin ich ein bisschen wie die Jungfrau Maria, nachdem sie Jesus zur Welt gebracht hatte. In der Bibel steht: ›Und Maria schwieg und bewegte die Dinge in ihrem Herzen‹. Bei Rätseln ist das manchmal das Beste.«
