Zum Beispiel das Kirchenpicknick. Keiner weiß, wer die Leute vergiftet hat. Man weiß nur, dass Rhoda Parks, die Sekretärin der Methodistengemeinde von Tashmore, und William Blakee, der Pastor der Methodistengemeinde, ein halbes Jahr vor dem Picknick eine kurze Affäre hatten. Blakee war verheiratet und machte Schluss. Kannst du mir folgen?«

»Ja«, versicherte Stephanie.

»Man weiß auch, dass Rhoda Parks untröstlich war, zumindest eine Zeit lang. Sagte ihre Schwester. Was ist noch bekannt? Sowohl Rhoda Parks als auch William Blakee tranken den vergifteten Eiskaffee beim Picknick und starben. Was ist das Muss hier? Los, Steffi, frei von der Leber weg!«

»Rhoda hat den Kaffee vergiftet, um ihren Geliebten zu töten, weil er sie sitzen gelassen hat, dann hat sie Selbstmord verübt. Die anderen vier – und die, denen schlecht wurde – waren, wie nennt man es noch mal, Kollateralschaden.«

Vince schnippte mit den Fingern. »Ah jo, das ist die Geschichte, die die Leute sich zusammenreimen. Die Zeitungen und Zeitschriften rücken nie so ganz mit der Sprache heraus, müssen sie ja auch nicht. Sie wissen, dass die Leute schon die entsprechenden Schlüsse ziehen. Aber was spricht dagegen? Noch mal, frei von der Leber!«

Doch diesmal funktionierte ihre Leber wohl nicht richtig, denn Stephanie fiel kein Gegenargument ein. Sie wollte gerade protestieren, dass sie den Fall nicht gut genug kenne, da stand Dave auf, stellte sich an die Brüstung, schaute über das Wasser nach Tinnock und bemerkte leise: »Sechs Monate Wartezeit kommen einem ziemlich lang vor, oder?«

Stephanie sagte: »Vielleicht war es einfach nur späte Rache?«

»Ah jo«, erwiderte Dave, immer noch leise, »aber wenn man sechs Menschen vergiftet, ist das ein bisschen mehr als Rache.



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