»Sie sind zynisch geworden, Fred.«

»Ich habe dazugelernt«, meinte er.

Sei immer auf Lügen gefaßt, hatte mein Stiefvater vor Jahren gesagt, als er anfing, mich in die Geheimnisse seines Berufs einzuweihen. Politiker und Diplomaten sind Lügner, bis das Gegenteil erwiesen ist. »Du auch?« hatte ich bestürzt gefragt, und er hatte sein höfliches Lächeln aufgesetzt und mir die Sache erklärt. »Dich und deine Mutter belüge ich nicht. Du darfst uns auch nicht anlügen. Wenn du mich in der Öffentlichkeit die Unwahrheit sagen hörst, bist du bitte still und denkst darüber nach, warum ich geflunkert habe.«

Wir waren auf Anhieb gut miteinander ausgekommen. Ich hatte keine Erinnerung an meinen leiblichen Vater, der starb, als ich noch ein Baby war, und daß jemand anders seinen Platz einnahm, störte mich überhaupt nicht. Ich hatte mich danach gesehnt, einen Vater zu haben wie andere Jungen auch, und auf einmal war er da, der große fremde Mann mit seinem ansteckenden Lachen. Wie ein Sturmwind war er in unseren Mutter-und-Kind-Haushalt hineingefegt, und ehe wir’ s uns versahen, hatte er uns an den Äquator entführt. Später erst begriff ich nach und nach, wie unwiderruflich er mich umgekrempelt hatte und was für ein Glück das für mich gewesen war.

Fred sagte: »Wohin kommen Sie nach Ihrem Urlaub?«

»Nirgendwohin. Nach England, meine ich. Persönlicher Referent.«

»Sie Glückspilz!« Es hörte sich an, als sei er wegen meiner Beförderung etwas eifersüchtig, und das paßte sehr gut zu seiner Stichelei über die leichtgläubigen jungen Männer in den Botschaften, zu denen er schließlich selbst einmal gezählt hatte.

»Vielleicht muß ich anschließend nach Ulan Bator«, sagte ich. Ulan Bator war das letzte, wo wir hinwollten. Angeblich wurde dem Botschafter dort statt eines Dienstwagens ein Yak zugeteilt.



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