Sie sangen abwechselnd sechs Lieder und zum Schluß ein Duett, dann fädelten sie sich unter begeistertem Applaus zwischen den Tischen durch und setzten sich zu Fred und mir.

Fred machte uns bekannt. Halb stehend gab ich den Sängern über das Spitzendeckchen hinweg die Hand und sagte aufrichtig, daß mir ihr Auftritt sehr gefallen habe.

»Sie singen noch mehr«, versicherte Fred und schenkte ihnen Wein ein. »Sie machen jetzt nur eine Pause.«

Aus der Nähe betrachtet, wirkten sie so gesund und altmodisch wie ihr Auftritt - er sah immer noch gut aus, sie gab sich das Gehabe einer jungen Sängerin, die in einem großmütterlichen Körper gefangen war.

»Haben Sie mal in Nachtclubs gesungen?« fragte ich, als sie neben mir Platz nahm.

Sie riß die blauen Augen auf. »Woher wissen Sie das?«

»Ihr Vortrag hat so etwas. So intim. Wie geschaffen für späte Stunden und gedämpftes Licht. Auch die Art, wie Sie den Kopf wiegen.«

»Tja, also ich habe jahrelang in Clubs gesungen.« Sie war belustigt und reagierte körperlich auf mich, trotz ihres Alters. Einmal Frau, immer Frau, dachte ich.

Ihre Haare waren weiß, eine flaumige Kappe. Sie hatte einen reinen Teint, nur leicht geschminkt, und das einzige Zugeständnis ans Showgeschäft waren die seidigen, nach oben geschwungenen falschen Wimpern, die bei ihr fast echt aussahen.

»Aber ich habe mich vor einer Ewigkeit schon zur Ruhe gesetzt«, sagte sie und klappte in harmloser Koketterie die Augenlider auf und zu. »Kriegte einen Schwung Babies und wurde zu dick. Zu alt. Wir singen hier nur zum Vergnügen.«



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