ERSTES BUCH

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Jemand stellte ihr nach. Sie hatte gelesen, daß es Triebtäter gab, Spanner, Schleicher, Fetischisten, wie immer man sie auch nennen mochte, die Frauen verfolgten und belästigten, aber so etwas kam doch nur in einer anderen, einer brutaleren Welt vor. Sie hatte keine Ahnung, wer es sein könnte, konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wer ihr etwas antun wollte. Sie kämpfte mit aller Macht gegen ihre Ängste an, wollte auf keinen Fall die Nerven verlieren, aber in letzter Zeit war sie von fürchterlichen Alpträumen heimgesucht worden, und jeden Morgen hatte sie beim Aufwachen das Gefühl, als drohte ihr ein schreckliches Unheil. Vielleicht bilde ich mir alles nur ein, dachte Ashley Patterson. Ich arbeite zuviel. Ich brauche Urlaub.

Sie wandte sich um und betrachtete sich im Schlafzimmerspiegel. Sie war Ende Zwanzig, hübsch gekleidet, schlank, hatte ein ebenmäßiges, geradezu aristokratisches Gesicht und intelligente, besorgt dreinblickende braune Augen. Das dunkle Haar fiel in sanftem Schwung auf die Schulter. Sie war elegant und attraktiv, aber auf eine eher dezente Art. Ich kann mich nicht ausstehen, dachte Ashley. Ich bin zu dünn. Ich muß mehr essen. Sie ging in die Küche und bereitete das Frühstück zu, zwang sich, nicht mehr an ihre Ängste und Beklemmungen zu denken, und konzentrierte sich darauf, daß das Omelett leicht und luftig geriet. Sie schaltete die Kaffeemaschine ein und schob eine Scheibe Brot in den Toaster. Zehn Minuten später war alles fertig. Ashley deckte den Tisch und setzte sich hin. Sie griff zur Gabel, starrte einen Moment lang auf das Frühstück und schüttelte dann verzweifelt den Kopf. Vor lauter Angst war ihr der Appetit vergangen.

Das kann nicht so weitergehen, dachte sie ungehalten. Ich weiß nicht, wer dahintersteckt, aber so was lasse ich nicht mit mir machen. Niemals.



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