Ashley warf einen Blick auf ihre Uhr. Höchste Zeit, daß sie sich auf den Weg zur Arbeit machte. Sie sah sich noch einmal in der vertrauten Umgebung um, so als suchte sie Zuspruch. Ihre geschmackvoll eingerichtete Wohnung, die aus Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer, Bad, Küche und Gästetoilette bestand, lag im zweiten Stock eines Mietshauses am Via Camino Court. Sie wohnte seit drei Jahren in Cupertino, Kalifornien. Bis vor zwei Wochen war ihr diese Wohnung immer wie ein gemütliches Nest vorgekommen, ein Refugium. Jetzt war sie zu einer Festung geworden, einer Zuflucht, in die niemand eindringen und ihr etwas antun konnte. Ashley ging zur Wohnungstür und musterte das Schloß. Ich lasse mir ein Riegelschloß einbauen, dachte sie. Gleich morgen. Sie schaltete sämtliche Lichter aus, überzeugte sich davon, daß die Tür fest verschlossen war, und fuhr mit dem Aufzug hinunter in die Tiefgarage.

Die Garage war menschenleer. Ihr Wagen stand etwa fünf Meter vom Fahrstuhl entfernt. Sie sah sich vorsichtig um, rannte dann zu ihrem Wagen, stieg ein, verriegelte die Türen und blieb einen Moment lang sitzen, bis ihr Herz wieder ruhiger schlug. Dunkel dräuende Wolken zogen über den Himmel, als sie in Richtung Innenstadt fuhr. Laut Wetterbericht sollte es Regen geben. Aber es wird nicht regnen, dachte Ashley. Die Sonne wird wieder herauskommen. Ich schlage dir was vor, lieber Gott. Wenn es nicht regnet, bedeutet das, daß alles in Ordnung ist, daß ich mir alles nur eingebildet habe.

Zehn Minuten später fuhr Ashley Patterson durch das Stadtzentrum von Cupertino. Sie war stets aufs neue beeindruckt, wenn sie sah, was aus diesem einstmals verschlafenen Winkel des Santa Clara Valley geworden war. Hier, in diesem rund achtzig Kilometer südlich von San Francisco gelegenen Tal, hatte die sogenannte Computerrevolution ihren Anfang genommen, was dem Tal den durchaus treffenden Beinamen Silicon Valley eingetragen hatte.



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