Als Ashley zu ihrem Wagen zurückging, fing es wieder an zu regnen. Sie war kaum losgefahren, als schwere Tropfen auf die Windschutzscheibe prasselten und sämtliche Konturen verwischten, so daß die Straßen vor ihr aussahen wie hingetupfte Landschaften auf einem pointillistischen Gemälde. Sie schaltete die Scheibenwischer an. Surrend setzten sie sich in Bewegung, so als tuschelten sie miteinander. »Er kriegt dich . kriegt dich . kriegt dich . « Ashley stellte sie schleunigst wieder ab. Nein, dachte sie. Sie sagen: Niemand da, niemand da, niemand da.

Ashley stellte ihren Wagen in der Tiefgarage ab und drückte den Fahrstuhlknopf. Zwei Minuten später fuhr sie hoch zu ihrer Wohnung. Sie ging zu ihrer Tür, steckte den Schlüssel ins Schloß, sperrte auf und blieb wie erstarrt stehen. In ihrer Wohnung brannten sämtliche Lichter.

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»Will ich in mein Gärtlein gehen, will mein Zwieblein gießen, steht ein bucklicht Männlein da, fängt gleich an zu niesen.«

Toni Prescott wußte genau, warum sie dieses alberne Lied so gern sang. Ihre Mama hatte es gehaßt. Hör auf mit diesem dämlichen Lied. Hast du gehört? Du kannst sowieso nicht singen.

Ja, Mutter. Und Toni sang es wieder und immer wieder leise vor sich hin. Es war lange her, aber die Erinnerung, wie sie ihrer Mutter getrotzt hatte, weckte in ihr auch heute noch ein Gefühl des Triumphs.

Toni Prescott konnte ihre Arbeit bei Global Computer Graphics nicht ausstehen. Sie war zweiundzwanzig Jahre alt, schelmisch, lebhaft und keck, teils Schalk, teils Irrwisch. Sie hatte ein herzförmiges Koboldgesicht, verschmitzte braune Augen und eine hinreißende Figur. Sie war in London geboren und sprach mit einem bezaubernden britischen Akzent. Sie war kräftig und muskulös und trieb für ihr Leben gern Sport, vor allem Wintersport: Ski- und Bobfahren und Eislaufen.



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