»Ich bin Barkeeper. Ich -«

Toni beendete das Gespräch.

Jede Nacht gab es etwas Neues. Einen Polospieler aus Argentinien zum Beispiel, einen Autohändler aus Japan, einen Herrenkonfektionsverkäufer aus Chicago, einen Fernsehtechniker aus New York. Das Internet war ein faszinierendes neues Spiel, und Toni kostete es in vollen Zügen aus. Sie konnte so weit gehen, wie sie es wollte, und sich trotzdem sicher fühlen, weil sie völlig anonym war.

Und dann, als sie sich eines Nachts in den Chat-Raum einklinkte, lernte sie Jean Claude Parent kennen.

»Bon soir. Freut mich sehr, dich kennenzulernen, Toni.«

»Ganz meinerseits, Jean Claude. Wo steckst du?«

»In Quebec.«

»Ich war noch nie in Quebec. Meinst du, es würde mir dort gefallen?« Toni rechnete damit, daß auf dem Bildschirm ein Ja auftauchen würde.

»Ich weiß nicht recht«, meldete sich Jean Claude statt dessen. »Kommt drauf an, was für ein Mensch du bist.«

Toni fand die Antwort faszinierend. »Wirklich? Was für ein Mensch müßte ich denn sein, damit mir Quebec gefällt?«

»Quebec ist so, wie man sich den alten amerikanischen Westen vorstellt. Bloß auf französisch. Die Menschen hier wollen ihre eigenen Wege gehen. Wir lassen uns nicht gern von anderen etwas vorschreiben.«

»Ich auch nicht«, gab Toni ein.

»Dann würde es dir hier gefallen. Es ist eine herrliche Stadt. Inmitten von Bergen und Seen gelegen. Ein Paradies für jeden Angler und Jäger.«

Toni schaute wie gebannt auf den Bildschirm. Sie spürte geradezu die Begeisterung, die in Jean Claudes Worten mitschwang. »Klingt ja super. Erzähl mir was von dir.«

»Moi? Da gibt’s nicht viel zu erzählen. Ich bin achtunddreißig, ledig. Ich habe gerade eine Beziehung hinter mir und möchte endlich die richtige Frau kennenlernen. Et toi? Bist du verheiratet?«



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