»Nein«, tippte Toni ein. »Ich bin ebenfalls auf der Suche nach jemandem. Was machst du beruflich?«

»Ich besitze ein kleines Juweliergeschäft. Ich hoffe, daß du eines Tages vorbeikommst und mich besuchst.«

»Ist das eine Einladung?«

»Mais oui. Ja.«

»Klingt interessant«, gab Toni ein. Und sie meinte es ernst. Vielleicht komme ich ja irgendwie dorthin, dachte Toni. Vielleicht kann er mich ja retten.

Toni plauschte fast jeden Abend mit Jean Claude. Er überspielte ihr per Scanner ein Foto von sich, und Toni fand, daß er sehr attraktiv und intelligent wirkte.

Als Jean Claude das Foto sah, das Toni ihm per Scanner übermittelt hatte, schrieb er: »Du bist wunderschön, ma cherie. Aber das wußte ich ja. Komm mich bitte besuchen.«

»Wird gemacht.«

»Bald.«

»Tschüs.« Toni klinkte sich aus.

Am nächsten Morgen hörte Toni in der Firma, wie sich Shane Miller mit Ashley Patterson unterhielt. Was, zum Teufel, findet er an ihr? dachte sie. Das ist doch ‘ne richtige Zicke. Für Toni war Ashley eine verklemmte alte Jungfer, die typische Unschuld vom Lande. Die hat doch keinen blassen Schimmer davon, was Spaß macht, dachte Toni. Toni konnte sie einfach nicht ausstehen. Ashley war eine Transuse, die abends am liebsten zu Hause blieb, ein Buch las oder sich irgendwelchen historischen Kram oder Nachrichten anguckte. Sie hatte keinerlei Interesse an Sport. Wie langweilig! Sie hatte sich noch nie in einen Chat-Raum eingeklinkt. Nie und nimmer würde Ashley wildfremde Menschen über Computer kennenlernen wollen. Kalt wie ein Fisch, dachte Toni. Die weiß ja gar nicht, was sie sich entgehen läßt. Ohne Internet und Chat-Raum hätte ich Jean Claude niemals kennengelernt.

Toni mußte an ihre Mutter denken, die das Internet vermutlich von ganzem Herzen gehaßt hätte. Aber ihre Mutter hatte so gut wie alles gehaßt. Sie konnte sich nur auf zweierlei Art ausdrücken - entweder schrie sie, oder sie jammerte. Toni konnte ihr nie etwas recht machen. Du dummes Gör, kannst du denn gar nichts? Ja, ihre Mutter hatte sie einmal zu oft angebrüllt. Toni mußte an den schrecklichen Unfall denken, bei dem ihre Mutter ums Leben gekommen war. Sie konnte immer noch ihre Hilfeschreie hören. Beim Gedanken daran mußte sie lächeln.



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