
Er setzte sich. »Hast du das Time Magazine gesehen?«
»Ja. Shane hat es mir gezeigt.«
Er runzelte die Stirn. »Shane? Dein Chef?«
»Er ist nicht mein Chef. Er ist - er ist einer der Abteilungsleiter.«
»Beruf und Privatleben sollte man stets voneinander trennen, Ashley. Du triffst dich doch auch privat mit ihm, nicht wahr? Das ist ein Fehler.«
»Vater, wir sind doch bloß gute -«
Ein Kellner kam an ihrem Tisch. »Darf ich Ihnen die Speisekarte bringen?«
Dr. Steven Patterson drehte sich um. »Sehen Sie nicht, daß wir uns gerade unterhalten?« herrschte er ihn an. »Verschwinden Sie gefälligst, bis wir Sie rufen.«
»Entschuldigung, Sir.« Der Kellner eilte davon.
Ashley wäre vor Scham am liebsten im Erdboden versunken. Sie hatte vergessen, wie aufbrausend ihr Vater sein konnte. Einmal hatte er während einer Operation auf einen Assistenten eingeprügelt, weil der sich ein Fehlurteil erlaubt hatte. Ashley konnte sich nur zu gut an die Streitereien zwischen ihrer Mutter und ihrem Vater erinnern, die sie als kleines Mädchen miterlebt hatte. Sie hatten sie zu Tode erschreckt. Es war immer um das gleiche Thema gegangen, aber sie konnte sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, was es gewesen war. Sie hatte es verdrängt.
Ihr Vater fuhr fort, als ob nichts gewesen wäre. »Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja. Daß du dich nicht mit diesem Shane Miller abgeben solltest. Auf gar keinen Fall.«
Und seine Worte beschworen eine weitere schlimme Erinnerung herauf.
»Du solltest dich nicht mit diesem Jim Cleary abgeben«, hörte sie ihren Vater sagen. »Auf gar keinen Fall ...«
Ashley war gerade achtzehn geworden. Sie lebten in Bedford in Pennsylvania, wo sie auch geboren war. Jim Cleary war der beliebteste Junge auf der ganzen High-School. Er spielte in der Footballmannschaft, sah blendend aus, war immer lustig und konnte einen hinreißend anlächeln.
