Die ideal glatte Oberfläche des Schiffes wies keine einzige Naht auf, und man vermochte sich nicht vorzustellen, wie seine einzelnen Teile miteinander verbunden worden waren. Nur längs der Mittellinie konnte man zwei anderthalb Meter auseinander liegende, parallel verlaufende schmale Schlitze entdecken, die fast vom Bug bis zum Heck reichten.

„Das sind die Tragflächen“, gab Melnikow zur Antwort, als seine Frau ihn danach fragte. „Sie sind zur Zeit eingezogen. Wenn wir die Venus erreichen und in ihre Atmosphäre eintauchen, werden die Tragflächen ausgefahren, und das Schiff verwandelt sich in ein Düsenflugzeug. Übrigens ist jeder Flügel an seiner Basis fünfzig Meter breit. Die Flügel ragen am Bug aus dem Schiffskörper und bilden zwei gewaltige Dreiecke.“

„Jede Tragfläche ist kompliziert konstruiert, so daß sie im Rumpf des Schiffes untergebracht werden kann und nicht viel Platz beansprucht. Die Teile der Tragfläche schieben sich ähnlich einem verstellbaren Fernrohr ineinander, das Endstück ist noch komplizierter konstruiert. Wie du siehst, ist jede Tragfläche länger als der ganze Schiffsrumpf, sie muß aber kürzer werden, damit man sie in die Aussparungen einziehen kann. Außerdem ist die Bordwand ja nicht gerade geformt, sondern gewölbt. Das kompliziert die Konstruktion noch mehr.“

„Warum sind diese Rohre am Heck so regellos angebracht?“ fragte Olga.

„Es scheint nur so, daß hier keine Regel waltet. Das sind die Öffnungen der Düsen und das Kühlsystem. Der Raumfahrer muß die Möglichkeit haben, zu manövrieren. Deswegen richten sich die Düsen nach allen Seiten. Der Teilchenstrom, der den reaktiven Sog erzeugt, kann so gesteuert werden, wie der Kommandant des Schiffes es will.



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