
Der Junge, der Arren die Schule zeigte, war ein kräftiger, untersetzter Bursche, dessen Umhang am Hals mit einer Silberbrosche geschlossen war, ein Zeichen, daß er nicht mehr Novize, sondern bereits Zauberer war und jetzt im Studium steckte, um den Stab zu erlangen. Er wurde ›Spiel‹ genannt, »denn«, so erklärte er, »meine Eltern hatten sechs Mädchen, und mein Vater sagte, das siebte Kind war ein gewagtes Spiel mit dem Schicksal.« Er war ein unterhaltsamer Geselle, schlagfertig und gescheit. Zu jeder anderen Zeit hätte Arren großen Gefallen an seinem Humor gefunden, doch heute war sein Herz zu voll. Er gab nicht viel acht auf das, was ihm Spiel erzählte. Und Spiel, der das natürliche Verlangen hatte, daß man Notiz von ihm nehme, fing an, die Geistesabwesenheit des Fremden auszunutzen. Zuerst begann er allerhand merkwürdige Dinge über die Schule zu erzählen, dann trumpfte er mit Lügen auf, und Arren sagte zu allem immer nur »Ach ja?« und »Wirklich?«, so daß Spiel begann, ihn als einen königlichen Idioten zu betrachten.
»Hier wird natürlich nicht gekocht«, sagte er, als sie an der Küche vorbeikamen, in der es laut zuging, wo riesige Kupferkessel glänzten und wo mit großen Messern geschnitten und zerkleinert wurde, und der Duft von Zwiebeln Tränen in die Augen trieb. »Das ist alles nur zum Anschauen. Wir essen im Refektorium und jeder zaubert sich herbei, was er essen will. Dann braucht man natürlich auch nachher kein Geschirr zu spülen.«
»Oh, wirklich?« meinte Arren höflich.
»Novizen, die noch keine Zauberformeln kennen, die werden natürlich sehr mager in den ersten Monaten hier, aber sie lernen schnell. Da ist zum Beispiel ein Junge aus Havnor, der dauernd versucht, gebratene Hähnchen herbeizuzaubern und immer nur Hirsebrei bekommt. Er bleibt mit seiner Formel immer am Hirsebrei hängen. Doch gestern hat er einen geräucherten Schellfisch dazubekommen.« Spiel wurde heiser vor Anstrengung, um die Leichtgläubigkeit des Gastes zu erschüttern. Er gab es schließlich auf und sagte überhaupt nichts mehr.
