
Stephen Baxter
Das Floss
1
Als die Giesserei implodierte, wurde Rees’ Neugier auf seine Welt unerträglich.
Der Schichtwechsel begann wie immer damit, daß Sheen, seine Schichtführerin, mit der Faust gegen die Wand seiner Kabine schlug. Schlaftrunken wälzte sich Rees aus seiner Hängematte, bewegte sich langsam durch die unaufgeräumte Kabine und quälte sich durch seine Morgentoilette.
Unter den Mikrogravitationsbedingungen kam das Wasser nur widerwillig aus dem rostigen Hahn. Es war eine saure und trübe Flüssigkeit. Er zwang sich, einige Schlucke zu trinken und klatschte sich etwas Wasser in Gesicht und Haare. Schaudernd dachte er daran, durch wie viele menschliche Körper dieses Wasser hindurchgegangen sein mochte, seit es zum erstenmal aus einer vorbeiziehenden Wolke aufgefangen worden war; Dutzende von Schichten waren schon vergangen, seitdem der letzte Proviantbaum vom Floß mit Nachschub vorbeigekommen war, und das veraltete Recycling-System des Gürtels ließ jetzt seine Schwachstellen erkennen.
Er zog einen fleckigen Overall an. Das Kleidungsstück begann ihm zu kurz zu werden. Nach fünfzehntausend Schichten war er ein dunkelhaariger und dünner junger Mann geworden eigentlich schon groß genug und immer noch im Wachstum, dachte er mißmutig. Diese Beobachtung ließ ihn mit einem Anflug von Traurigkeit an seine Eltern denken; sie hätten wahrscheinlich genau diese Bemerkung gemacht. Sein Vater war kurz nach seiner Mutter gestorben, an Kreislaufproblemen und Erschöpfung. Rees stützte sich mit einer Hand an der Tür ab, betrachtete die kleine, mit Eisenwänden ausgeschlagene Kabine und dachte daran, wie vollgepfropft sie gewesen war, als er sie noch mit seinen Eltern geteilt hatte.
Er schob diese Gedanken beiseite und drückte sich durch den engen Türrahmen.
Er blinzelte ein paar Sekunden lang, geblendet von dem hinund herwandernden Sternenlicht… und stutzte. Ein schwacher Geruch hing in der Luft, wie das volle Aroma von Synthofleisch. Brannte da etwas?
