«Also, zunächst einmal sehe ich keinen Grund für einen Selbstmord. Morley war gesund, er hat gut verdient, und niemand weiß etwas von Sorgen, die er gehabt haben könnte. Er war auch in keine Weibergeschichte verwickelt.» Japp verbesserte sich vorsichtig: «Wenigstens soweit wir wissen. Er war nicht trübsinnig oder bedrückt oder anders als sonst. Das ist einer der Gründe, weswegen mir daran liegt, Ihre Meinung zu hören. Sie haben ihn heute früh gesehen, und ich würde gern wissen, ob Ihnen etwas Besonderes aufgefallen ist.»

Poirot schüttelte den Kopf.

«Gar nichts. Er war – wie soll ich sagen – die Normalität in Person.»

«Das lässt die Sache in einem merkwürdigen Licht erscheinen, nicht wahr? Jedenfalls würde man nicht annehmen, dass jemand sich sozusagen mitten in der Geschäftszeit erschießt. Warum hat er nicht bis heute Abend gewartet? Das wäre das Natürliche gewesen.»

Poirot pflichtete ihm bei.

«Wann hat sich die Tragödie ereignet?»

«Schwer zu sagen. Anscheinend hat niemand den Schuss gehört. Aber das war auch nicht gut möglich. Zwischen diesem Zimmer und dem Korridor liegen zwei Türen, die beide mit Filz abgedichtet sind.»

«Wann ist er aufgefunden worden?»

«Ungefähr um halb zwei – durch den Boy Alfred Biggs. Kein großes Kirchenlicht, in keiner Beziehung. Anscheinend hat die Patientin, die für halb ein Uhr bestellt war, Krach geschlagen, weil sie so lange warten musste. Etwa um ein Uhr zehn ist der Boy heraufgekommen und hat geklopft. Er bekam keine Antwort und wagte offenbar nicht, hineinzugehen. Morley hatte ihn schon ein paarmal angeschnauzt, und er hatte Angst, wieder etwas verkehrt zu machen. So ging er wieder hinunter, und die Patientin hat um ein Uhr fünfzehn wutschnaubend das Haus verlassen. Ich kann es ihr nicht verübeln. Man hatte sie fast eine Stunde warten lassen, und sie wollte zu Mittag essen.»

«Wer war die Patientin?»



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