
Hoch aufgerichtet und unbewegt hörte Georgina Morley den beiden Männern zu und beantwortete ihre Fragen. Sie sagte mit Nachdruck: «Es scheint mir unglaublich – ganz unglaublich –, dass mein Bruder Selbstmord begangen haben soll!»
«Ist Ihnen klar, Mademoiselle, dass dann nur eine einzige andere Möglichkeit übrig bleibt?», sagte Poirot.
«Sie meinen: Mord.» Einen Augenblick schwieg sie nachdenklich. Dann sagte sie langsam: «Es stimmt – diese Lösung erscheint ebenso unmöglich wie die andere.»
«Aber nicht ganz so unmöglich?»
«Nein, weil – verstehen Sie, in meinem Fall spreche ich von etwas, das ich genau kannte, nämlich vom Seelenzustand meines Bruders. Ich weiß, dass ihn nichts bedrückte, dass er keinen Grund – nicht den geringsten Grund – hatte, sich das Leben zu nehmen!»
«Sie haben ihn heute früh gesprochen, bevor er in die Praxis ging?»
«Ja, beim Frühstück.»
«Und er war ganz wie immer – in keiner Weise verändert?»
«Verändert war er – aber nicht, wie Sie meinen. Er war bloß ärgerlich.»
«Warum das?»
«Er hatte einen sehr arbeitsreichen Vormittag vor sich, und seine Assistentin konnte nicht kommen.»
«Das ist Miss Nevill?»
«Ja.»
«Worin bestand ihre Tätigkeit?»
«Sie hat die ganze Korrespondenz meines Bruders erledigt und das Ordinationsbuch und die Kartei geführt. Ferner hat sie die Sterilisierung der Instrumente besorgt, die Füllungen angerührt und hat ihm auch sonst bei den Behandlungen assistiert.»
«Ist sie schon lange bei ihm?»
«Seit drei Jahren. Sie ist ein sehr zuverlässiges Mädchen, und wir hatten sie beide gern.»
Poirot sagte: «Wie mir Ihr Bruder gesagt hat, ist sie zu einer erkrankten Verwandten gerufen worden.»
