«Aber selbst dann», sagte Poirot, «war es nur ein Irrtum und kein Verbrechen.»

«Nein, das nicht, aber es hätte ihm beruflich sehr geschadet. Wahrscheinlich hätte es ihn sogar ruiniert. Niemand würde mehr zu einem Zahnarzt gehen, der fähig ist, einem Patienten eine tödliche Dosis Gift beizubringen, nur weil er zufällig gerade ein bisschen zerstreut ist.»

«Es ist schon merkwürdig, das gebe ich zu.»

«Solche Dinge kommen eben vor – sowohl bei Ärzten wie bei Apothekern. Jahrelang sind sie gewissenhaft und zuverlässig – dann auf einmal ein Augenblick der Unachtsamkeit, und das Unglück ist geschehen, und der arme Teufel hat die Folgen zu tragen. Morley war ein sensibler Mensch. Bei den Ärzten ist meistens ein Laborant oder ein Apotheker mitverantwortlich – oft sogar allein verantwortlich. In unserem Fall trug Morley die ganze Verantwortung.»

Poirot war noch nicht überzeugt.

«Hätte er dann nicht irgendeine Mitteilung hinterlassen, um zu erklären, was geschehen war? Und dass er die Folgen nicht auf sich nehmen könne? Nur ein paar Worte in diesem Sinne? Eine Nachricht an seine Schwester?»

«Nein – wie ich die Sache sehe, wurde ihm ganz plötzlich klar, was er angerichtet hatte, und da verlor er die Nerven und suchte den einfachsten Ausweg!»

Poirot antwortete nicht, und Japp sagte gütig: «Ich kenne Sie, alter Freund. Wo Sie einmal einen Mord ahnen, können Sie sich nicht damit abfinden, dass es keiner war. Diesmal bin ich daran schuld, dass Sie auf die falsche Spur geraten sind. Ich habe mich eben geirrt, das gebe ich offen zu.»

«Haben Sie irgendetwas über Amberiotis in Erfahrung gebracht?», fragte Poirot abwesend.

«Ja, ziemlich viel. Er war ein Spion und außerdem ein übler Erpresser. Es hätte einer schon Grund genug haben können, ihn zu ermorden. Aber Morley beabsichtigte dies bestimmt nicht. Er tötete ihn durch Zufall – und bezahlte dafür selber mit dem Leben. Morley beging Selbstmord – glauben Sie mir, Poirot!»



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