«Es war alles sehr einfach», sagte Barnes. «Im ersten Fall ist ein Versehen bei der Narkose passiert – kann vorkommen. Im zweiten Fall hat es rätselhafte Symptome gegeben, die der Arzt – ein braver, ziemlich ahnungsloser Hausarzt – nicht deuten konnte. Im dritten Fall hat eine verängstigte Mutter, die zu ihrem kranken Kind wollte, ihren Wagen unvorsichtig gesteuert. Eine rührende Geschichte – das Gericht hat sie freigesprochen!»

Nach einer Weile fuhr er fort: «Alles ganz mit rechten Dingen zugegangen – und bald vergessen. Aber ich will Ihnen einmal erzählen, was aus den drei Leuten geworden ist. Der Mann, der die Narkose gemacht hat, besitzt jetzt ein eigenes erstklassiges Forschungslaboratorium mit der teuersten Einrichtung. Der Hausarzt hat seine Praxis aufgegeben, hat einen hübschen kleinen Besitz auf dem Land und eine Jacht. Die Mutter lässt alle ihre Kinder auf die kostspieligste Weise erziehen, lebt in einem entzückenden Landhaus, Riesengarten, Ponys zum Reiten und so weiter.»

Er nickte langsam. «In jedem Beruf und in jedem Lebenskreis gibt es jemanden, der einer Versuchung erliegt. In unserm Fall hat die Schwierigkeit darin bestanden, dass Morley ihr nicht erlegen ist!»

«Glauben Sie, dass es sich so abgespielt hat?», fragte nun Poirot.

«Ja», sagte Barnes. «Wissen Sie, es ist nicht leicht, an solch große Männer heranzukommen. Sie sind im allgemeinen gut geschützt. Der Trick mit dem Auto ist riskant und funktioniert nicht immer. Aber beim Zahnarzt ist man ziemlich wehrlos.»

Er nahm seinen Klemmer ab, putzte ihn blank und setzte ihn wieder auf. Dann sagte er: «Das ist meine Theorie. Morley hat sich geweigert, den Auftrag auszuführen! Aber da er schon zu viel wusste, musste man ihn beseitigen.»



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