Hercule Poirot war sich dieser Tatsache mit geradezu morbider Schärfe bewusst. Gewöhnlich hatte er eine sehr gute Meinung von sich selbst. Er, Hercule Poirot, war anderen Männern in vielfacher Beziehung überlegen. In diesem Augenblick jedoch war er unfähig, sich in irgendeiner Beziehung überlegen zu fühlen. Seine Moral hatte den Nullpunkt erreicht. Er war jetzt nichts anderes als jenes wohl bekannte feige Wesen: ein Mensch, der sich vor dem Zahnarzt fürchtet.

Mr Morley hatte seine professionellen Waschungen beendet und sagte nun in seinem professionell ermunternden Ton: «Längst nicht warm genug für diese Jahreszeit, nicht wahr?»

Sachte geleitete er den Patienten an den kritischen Ort – zum Behandlungsstuhl! Er spielte gewandt mit der Kopfstütze, die er auf und nieder gleiten ließ.

Hercule Poirot tat einen tiefen Atemzug, stieg hinauf, setzte sich hin und überließ seinen Kopf ergeben den Händen Mr Morleys.

«Haben Sie irgendwelche besonderen Beschwerden?», fragte er.

Etwas undeutlich, da die Bildung der Konsonanten mit offenem Mund ihm Schwierigkeiten bereitete, gab Hercule Poirot zu verstehen, dass keine besonderen Beschwerden zu verzeichnen seien. In der Tat handelte es sich nur um eine der beiden regelmäßigen jährlichen Untersuchungen, die sein Sinn für Ordnung und Reinlichkeit verlangte. Es war natürlich möglich, dass es überhaupt nichts zu tun gab… Vielleicht übersah Mr Morley den zweiten Zahn von hinten, der ihn unlängst so gezwickt hatte… vielleicht – aber nicht wahrscheinlich, denn Mr Morley war ein sehr guter Zahnarzt.

Mr Morley ging langsam von Zahn zu Zahn, klopfte, stocherte und murmelte dazu kleine Bemerkungen.

«Diese Füllung ist ein bisschen abgenützt – nichts Ernstes. Das Zahnfleisch ist erfreulicherweise in recht gutem Zustand.» Aufenthalt an einer verdächtigen Stelle; eine Drehung der Sonde – nein, weiter – falscher Alarm. Jetzt nahm er den Unterkiefer vor. Nummer eins, Nummer zwei – weiter auf Nummer drei? Nein.



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