
Dr. Berrenger führte Crompton in sein Sprechzimmer, stellte ihm einen bequemen Sessel zur Verfügung und sagte: »Na, mein Sohn, wir haben uns lange nicht gesehen. Wie geht es Ihnen?«
»Miserabel«, erwiderte Crompton.
»Was macht Ihnen denn zu schaffen?«
»Mein Charakter«, sagte Crompton.
»Aha«, rief der alte Arzt und starrte Cromptons Schreibergesicht scharf an. »Kommt Ihnen ein bißchen eng vor, wie?«
»>Eng< ist wohl nicht das richtige Wort«, entgegnete Crompton steif. »Ich bin eine Maschine, ein Roboter, ein Nichts -«
»Sachte, sachte!« sagte Dr. Berrenger. »So schlimm wird es doch wohl nicht sein. Die Anpassung braucht Zeit -«
»Ich hänge mir zum Hals heraus«, beschwerte sich Crompton. »Ich verlange Reintegrierung.«
Der Arzt sah ihn zweifelnd an.
»Und ich habe meinen fünfunddreißigsten Geburtstag hinter mir«, erklärte Crompton. »Ich kann meinen Anspruch auf Reintegrierung gesetzlich geltend machen.«
»Das stimmt«, gab Dr. Berrenger zu. »Aber als Ihr Arzt und Freund möchte ich Ihnen nachdrücklichst abraten, Alistair.«
»Warum?«
Der alte Arzt seufzte. »Es wäre gefährlich für Sie, ungeheuer gefährlich. Vielleicht sogar verhängnisvoll.«
»Aber ich hätte doch eine Chance, nicht wahr?«
»Sie ist verschwindend klein.«
»Dann bestehe ich auf Reintegrierung.«
Der Arzt seufzte noch einmal, ging zu einem Schrank und entnahm ihm eine dicke Akte. »Also gut«, sagte er, »sprechen wir Ihren Fall noch einmal durch.«
Alistair Crompton, Sohn der Eheleute Lyle und Beth Crompton aus Amundsenville, Marie Byrd-Land, Antarktis. Der Vater war Werkmeister im Plutoniumbergwerk Scott, die Mutter halbtags am Fließband der kleinen Transistorfabrik beschäftigt. Beide waren körperlich und geistig gesund.
Während der ersten neun Lebensjahre wirkte Alistair in jeder Beziehung normal, wenn man von einer gewissen Launenhaftigkeit absah; Kinder sind jedoch recht oft launisch.
