Er versuchte, mit dieser Tatsache zu leben. Einige Zeit suchte er die Gesellschaft anderer farbloser, zentimeterdünner Charaktere. Aber diese Gestalten waren selbstzufrieden, spießig, eingebildet. Sie hatten ihre Eigenschaften schon bei der Geburt mitbekommen, im Gegensatz zu Crompton, der im Alter von elf Jahren von den Ärzten verändert worden war. Bald entdeckte er, daß sich seinesgleichen nicht ertragen ließ, ebensowenig wie andere ihn zu ertragen vermochten.

Er bemühte sich angestrengt, die engen Schranken seines Charakters zu überwinden. Eine Weile spielte er mit dem Gedanken, zum Mars oder zur Venus auszuwandern, aber irgendwie wurde nichts daraus. Er wandte sich an das New Yorker Herzensbüro, und man arrangierte für ihn ein Stelldichein. Crompton machte sich mit einer Nelke im Knopfloch auf den Weg zu seiner unbekannten Angebeteten; sie erwartete ihn vor dem Jupitertheater. Zweihundert Meter vor dem Ziel überkam ihn das große Zittern und zwang ihn, sich auf sein Zimmer zurückzuziehen. In jener Nacht löste er sechs Kreuzworträtsel und legte neun Patiencen, um seine Nerven zu beruhigen, aber selbst diese Veränderung war nicht von langer Dauer.

Was er auch unternahm, Crompton mußte wohl oder übel im überaus engen Rahmen seines Charakters handeln. Sein Zorn auf sich selbst und die wohlmeinenden Ärzte wuchs und mit ihm der Drang, über sich hinauszugelangen.

Es gab nur einen Weg für ihn, die erstaunliche Vielfalt von Möglichkeiten, die Widersprüche, die Leidenschaften, das Menschsein anderer Leute zu erringen. Crompton hielt sich also weiter an seine Arbeit und wartete. Endlich vollendete er das fünfunddreißigste Lebensjahr. Dies war das Mindestalter für eine Reintegrierung der Persönlichkeit, streng nach Gesetz und Vorschrift.

Am Tag nach seinem 35. Geburtstag kündigte Crompton seine Stellung, hob die in siebzehn Jahren sorgfältig aufgehäuften Ersparnisse ab und suchte seinen Arzt auf, entschlossen, sich zurückzuholen, was man ihm genommen hatte.



3 из 186