
Lesern, die sich auf der Landkarte orientieren, mag der Hinweis helfen, dass der gallische Fluss Liga - der keltische Name bedeutet Schlick oder Sediment und wurde zu Liger latinisiert - heutzutage die stattliche Loire ist; der gallische Fluss Aturavos ist heute der Arroux, und der Strom Rhodanus ist die Rhone. Die Stadt Nebirnum heißt jetzt Nevers, Divio ist Dijon, und aus dem armorikani-schen Hafen Naoned wurde die Stadt Nantes.
KAPITEL 1
Die beiden Gestalten mit den Kapuzen waren im dunklen Gemäuer des Mausoleums kaum zu erkennen. Schweigend standen sie neben dem großen Sarkophag, der die Mitte der kleinen Kammer in den muffigen Katakomben einnahm, die sich unter der Abtei nach allen Richtungen zu erstrecken schienen. Von alters her war das die Totenstadt. Sie war uralt, hatte schon bestanden, bevor die Abtei erbaut wurde. Nachdem der Neue Glaube ins Land gekommen war, hatte man die Stätte geweiht, und nun hatten schon Generationen von Äbten hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Abgesehen von Wassertropfen, die irgendwo in der Ferne fielen, war es völlig still. Die Luft war dumpf und stickig. Ein schwaches Leuchten durchdrang die unterirdischen Höhlungen und verlieh der Dunkelheit schwache Umrisse, so dass man das eine oder andere nur durch den Wechsel von Licht und Schatten erahnen konnte. Die beiden Gestalten verharrten reglos auf ihrer Stelle, fast als wären sie selber Teil der Grabsteine.
Dann wurde das schwache Geräusch des Tropfenfalls überlagert von sachtem Schlurfen; es klang wie Leder, das sich an Stein rieb. Eine der Gestalten zuckte zusammen, als ein Lichtschimmer in die Kaverne drang und Schatten hin und her tanzen ließ. Zwischen den Gräbern tauchte eine dritte Person auf, die eine Kerze hielt.
