Auch sie trug eine Kutte mit Kapuze. Vor dem Mausoleum blieb sie stehen. »Ich komme im Namen des heiligen Benignus«, ließ sich eine kratzige Stimme vernehmen.

Von dem im Dunkeln wartenden Paar wich die Spannung. »Willkommen im Namen von Benignus, geheiligten Namens und Angedenkens«, erwiderte eine weibliche Stimme leise. Man verständigte sich auf Latein.

Der Ankömmling trat rasch ins Mausoleum und stellte die Kerze auf das Marmorgrabmal. »Nun?«, fragte die zweite der wartenden Gestalten. »Hat er es noch?« »Er bewahrt es bei sich in der Kammer auf«, erwiderte der Neue rasch. »Dann können wir es leicht an uns bringen. Es wäre ein Zeichen, dass Gott unser Unterfangen segnet«, meinte der andere.

»Aber wir müssen rasch handeln. Der Gesandte aus Rom hat bereits mit ihm darüber gesprochen. Wenn wir es, sobald die Zeit heran ist, als unser Feldzeichen nutzen wollen, müssen wir es jetzt verschwinden lassen.«

»Soll es unserer Absicht dienen und den Aufstand des Volkes auslösen, darf er nicht erst die Wahrheit über dieses große Symbol verbreiten. Die Menschen müssen ernsthaft daran glauben, dürfen keinerlei Zweifel hegen.« »Sind wir bereit, zu tun, was wir tun müssen?«, fragte wieder die weibliche Stimme.

»Es dient dem Nutzen aller«, sagte ihr Begleiter feierlich. »Deus vult!« ergänzte der Neue ernst. Gott will es.

»Sind wir uns also einig?«, drängte die Frau mit fast erstickter Stimme.

»Noch heute Nacht muss es vollbracht werden«, bestimmte der Neue.

Die drei schauten einander im Dämmerlicht an und murmelten unisono: »Virtutis Fortuna comes!« Den Mutigen steht Fortuna bei.

Ohne ein weiteres Wort trennten sich die drei schemenhaften Gestalten und gingen in verschiedene Richtungen durch die dunklen Gewölbe der Katakomben von dannen.



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