An jenem Morgen verhielten sie sich wie immer. Sie betraten gemeinsam die kleine Kaffeestube und wünschten mit starkem Akzent im Chor Guten Morgen. Darauf folgte üblicherweise heftiges Gekicher. Tryggvi musste wie immer lächeln. Die Frauen schälten sich aus ihrer bunten Winterkleidung, während er in einiger Entfernung dastand und sie beobachtete. Ein ganz normaler Tag, der nun eine unerwartete Wendung zu nehmen schien.

Tryggvi drängte sich durch die Gruppe der Frauen zur Tür, die auf den Flur hinausführte. Er hörte, wie sich das Geräusch von einem Stöhnen in ein Schreien verwandelte. Tryggvi konnte weder ausmachen, ob es von einem Mann oder einer Frau stammte, noch war er sicher, ob es überhaupt menschlich war. Konnte ein Tier ins Gebäude gelangt sein und sich verletzt haben? Tryggvi hatte keine Zeit, diesen Gedanken zu Ende zu denken, denn es ertönte ein lauter Knall, wie wenn etwas zu Boden stürzt oder zerbricht. Tryggvi beschleunigte seinen Schritt und betrat den Flur. Der Lärm schien aus der oberen Etage zu kommen. Tryggvi wendete sich schnell zur Treppe und rannte, zwei Stufen auf einmal nehmend, hinauf. Die Frauen folgten ihm und begannen zu jammern.

Die Schreie kamen zweifellos aus den Büros der Historischen Fakultät. Tryggvi spurtete los und die Frauen folgten ihm auf den Fersen. Er riss die Feuerschutztür zum Büroflur auf und bremste abrupt — woraufhin die Frauen eine nach der anderen gegen ihn prallten. Tryggvi starrte geradeaus.

Es war nicht der Anblick des Bücherregals auf dem Fußboden oder des Fakultätsleiters auf allen vieren auf dem Bücherhaufen im Flur, der Tryggvi erstarren ließ. Dort drinnen lag eine Leiche, die halb aus einem kleinen Druckerkabuff hinausragte. Tryggvi spürte, wie sich sein Magen umdrehte. Was zum Teufel waren diese Stofflappen vor den Augen? Hatte jemand etwas auf die Brust gezeichnet? Und die Zunge — was war nur mit der Zunge?



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