
Ralf erhob sich von seinem Stein und rief noch einmal »Hallo!«, obgleich er wußte, daß niemand antworten würde. Er stieg den Pfad hinab zu seinem kleinen Wagen, warf ihm einen vernichtenden Blick zu und setzte sich wieder hinter das Steuer. Er schaltete die Zündung ein und legte die Hand auf die Hupe. Es war eine gute, eine laute Hupe, ein Doppelklanghorn, das grell und doch melodisch die Stille zerriß und einen Hauch von Leben in die kahlen Felsen brachte.
So saß Ralf eine Viertelstunde und ließ die Hand auf dem Hupenknopf. Schließlich ärgerte ihn der gleichbleibende Ton, und er begann, auf der Hupe rhythmisch zu drücken. Lang-kurz-lang-kurz-kurz-kurz-lang-kurz-kurz . er lächelte vor sich hin und versuchte, den Takt eines Foxtrotts nachzuahmen, eines Walzers, eines Tangos, einer Polka, bis er nach einer halben Stunde das Spiel aufgab und sich eine neue Zigarette anzündete. Dabei drehte er sich ein wenig im Sitz und erstarrte. Oberhalb von ihm, auf einem Felsvorsprung, stand ein Mensch! Ein Mensch! Ein richtiger Mensch mit einem Lammpelz um den Schultern und einer hohen Schaf-wollmütze auf dem dicken Schädel. Den runden Kopf mit der gebogenen Nase zierte ein langer Schnurrbart, der kraus über den Mund herabhing. Er sah zu Ralf herunter, ohne sich zu rühren, ohne ein Zeichen zu geben, daß er den kleinen Wagen auf dem engen Pfad überhaupt gesehen habe.
Ralf warf die Zigarette fort und drückte noch einmal auf die Hupe. Sie gellte auf - doch der Mann auf dem Felsen blieb stehen, unbeweglich, und sah hinab.
»He!« schrie Ralf und winkte mit beiden Armen. »Sind Sie taub und blind?« Doch kaum, da er es gerufen hatte, schüttelte er den Kopf. Dummheit, dachte er. Wer versteht hier denn Deutsch? Hier spricht man serbokroatisch, und das wenige, was ich davon kann, muß genügen.
