
»Komm 'runter!« brüllte er zu dem Mann hinauf. »Mein Auto hat einen Bruch! Komm her, Kamerad!«
Der Mann auf dem Felsen antwortete nicht. Er trat zurück und entschwand den Blicken Ralfs. Aber nach etwa 10 Minuten hoff-nungsvollen Wartens kam er um die Biegung des Pfades und blieb drei Schritte vor Ralf stehen. Er musterte ihn mit seinen tiefliegenden Augen und nickte. Das soll guten Tag heißen, dachte Ralf und nickte freundlich zurück.
»Wagen kaputt!« sagte er und zeigte auf die zerbrochene Hinterachse. »Führe mich ins nächste Dorf, Kamerad.«
»Ich bin Jossip, der Schäfer.« Der Mann hob die Hand, sie war gegerbt von Wind und Sonne. »Jossip hat kein Dorf. Er zieht mit seiner Herde.«
»Ist denn ein Dorf in der Nähe?«
»Das DorfZabari, Herr.«
»Wie weit?«
Jossip hob die Schultern. »Sehr weit. Man geht bis zum Abend.«
»Auch das noch!« Ralf Meerholdt setzte sich auf den vorderen Kotflügel des Wagens und hielt dem Schäfer Jossip seine Schachtel Zigaretten hin. Jossip trat näher, er betrachtete die Schachtel und schüttelte den Kopf.
»Was willst du hier?« fragte er unvermittelt.
»Wenn ich das selbst wüßte, guter Jossip.« Ralf sah sich um. »Ich suche Wasser.«
»Wasser?«
»Ja.« Er machte eine weite Handbewegung. »Viel Wasser, Jossip. Ganz viel Wasser. Wenn man Wasser hat und ein wenig Boden, Mutterboden, dann kommt Leben in eure Einsamkeit. Dann habt ihr elektrisches Licht, könnt euch einen Eisschrank kaufen, ein Radio, aus dem ihr die neuesten Meldungen hört, einen Fernsehapparat, ein Bügeleisen, einen Rasierapparat.« Er lachte und schüttelte den Kopf. »Mit anderen Worten: Es kommt die Zivilisation zu euch. Ob das immer gut ist, davon wollen wir nicht sprechen, euer sorgenloses Leben hört dann auf - aber notwendig ist es, so sagt man in Belgrad!«
Jossip nickte, sein Gesicht war ernst und verschlossen. »Ich verstehe nichts, Herr. Aber es gibt hier Wasser.«
