die »alte Wirtschaft« war verschwunden, Börsenmärkte stiegen an, Mauern wurden abgebrochen, Zinssätze fielen, das individuelle Wertesystem kehrte zurück zu dem, was es Ende des 19. Jahrhunderts darstellte und konservative Regierungen kamen an die Macht. Alles war in perfekter Harmonie. Das Einzige, was fehlte war das, was jede Gesellschaft braucht, um zu überleben – ein Feind.

Es war zu umständlich, sich in neue Kriege einzumischen und so konnte weder der Genozid in Ruanda noch der Brudermord in Jugoslawien der »Neue Feind« werden. Am Ende des letzten Jahrhunderts wurde zum großen Bösewicht die Zigarette. Ja, man mag es glauben oder nicht, vor nicht allzu langer Zeit wurde die kleine Papierhülse gefüllt mit trockenen Blättern zur größten Bedrohung der modernen Welt, an einem Ende die glühende Spitze, am anderen Ende ein Idiot.

Zwischenzeitlich – bevor irgendeine Terrorattacke stattgefunden hatte – war ein anderer Reisender – wiederum zwiebelessend – durch das »Weltdorf« gewandert. Der gerechte Krieg war nach Europa zurückgekehrt mit seinen Kollateralschäden in Belgrad; die Börsenmärkte brachen zusammen; diejenigen, die uns zu mutigen Aktienkäufen ermuntert hatten, erklärten nun, dass der Zusammenbruch unvermeidlich war; die Leute waren besorgt um ihre Pensionsfonds, ihre Alterssicherung und wussten nicht, was sie nun machen sollten.

Als die wirkliche Gefahr ihr Gesicht zeigte – am Morgen des 11. September 2001 – befand sich die Menschheit am Rande eines Nervenzusammenbruchs und in dem Augenblick entschieden sich die Einwohner der Nordstraße (bekannt als jüdisch-christliche Gesellschaft) zu einem traumatischen Bruch mit der Südstraße (bekannt als Islam). Alle Zeitungen bestreiten dies, alle TV-Programme versichern, nichts habe sich geändert, Theologen von beiden Seiten treffen sich auf internationalen Konferenzen und begegnen einander mit Toleranz und Achtung. Aber im wirklichen Leben schauen wir mit großen, misstrauischen Augen auf unseren Nachbarn, denn – so er christlich oder jüdisch ist (auf der Südstraße) oder mit seiner Frau, die er gebeten hat, ein Kopftuch zu tragen (auf der Nordstraße) – von ihm könnte ja jederzeit etwas Furchtbares ausgelöst werden.



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