Die liebliche Caroline bewahrte ihre Gelassenheit. Sie hob ihr Glas; darin befand sich keine Sibylle, aber etwas fast ebenso Gutes: Ein winziger Spiegel. Damit beobachtete Caroline interessiert, was der Killer aus Kwangtung tat.

Der Augenblick der Wahrheit näherte sich nun rasch. Der Chinese zielte; und Caroline bewies gute Reflexe, indem sie ihr Glas gegen das Fenster schleuderte, noch ehe der Sohn des Himmels schießen konnte.

»Oh! Also wirklich, ich muß schon sagen!« sagte der Chinese. (Obgleich er am linken Ufer des Flusses Hungshui das Licht der Welt erblickt hatte, war er bei Harrod’s erzogen worden.)

Caroline sagte nichts. Einen Fuß über ihrem Kopf war ein Loch im Fenster der Bar. Auf der anderen Seite des Fensters befand sich der verblüffte Chinese. Caroline ließ sich zu Boden fallen, ehe der Kerl ein zweites Mal schießen konnte und sauste zum Hinterausgang wie ein geölter Blitz.

Der Barkeeper, der die ganze Sache beobachtet hatte, schüttelte bewundernd den Kopf. An sich war er Fußballfan, aber er wußte eine gute Jagd zu schätzen.

»Eins zu null für dich, Baby!« rief er der davonhastenden Caroline hinterher.

In diesem Augenblick stürzte der Vogelnesthändler in die Bar und nahm die Verfolgung des schönen Mädchens auf.

»Willkommen in Amerika!« rief der Barmann ihm nach. »Und Waidmannsheil!«

»Vielen helzlichen Dank, Mistel«, antwortete der gelbe Teufel höflich, während er durch die Bar rannte.

»Eines muß man diesen Chinesen lassen«, sagte der Barkeeper zu einem Gast am anderen Ende des Tresens. »Sie haben Manieren.«

»Noch einen doppelten Martini«, erwiderte der Mann am anderen Ende des Tresens. »Aber stecken Sie die Zitronenscheibe diesmal auf den Rand des Glases. Ich meine, es ist doch unappetitlich, wenn im Martini eine große, häßliche Zitronenscheibe herumschwimmt, so als habe man einen Planter’s Punch oder ein anderes dieser gräßlichen Gebräue bestellt.«



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