
Er war hochgewachsen, breitschultrig und brünett und trug einen weißen Kittel. Er hatte schwarze Augenbrauen und Wimpern, sein Schädel war kahlgeschoren und ebenso tief gebräunt wie sein Gesicht. Die ziemlich große, gebogene Nase, das etwas hervorspringende spitze Kinn und die fest zusammengepreßten Lippen gaben ihm einen wilden Ausdruck. Seine braunen Augen richteten sich kalt und durchdringend auf den Wartenden.
Der Indianer verbeugte sich demutsvoll und hielt das Kind dem Arzt entgegen. Mit einer raschen, bestimmten und doch vorsichtigen Bewegung nahm Salvator das kranke Mädchen aus den Armen des Indianers. Er entfernte die Lumpen, in die das Kind eingewickelt war, und warf sie geschickt in einen weit entfernt stehenden Behälter.
Der Indianer humpelte auf den Kasten zu, um die Lumpen wieder an sich zu nehmen, aber Salvator gebot ihm mit strenger Stimme: „Laß das, faß es nicht an!“
Dann legte er das Mädchen auf den Tisch und beugte sich tief zu ihm hinab. Er stand im Profil zum Indianer. Salvator tastete mit den Fingern die Geschwulst am Hals des Kindes ab. Diese Finger entsetzten den Indianer. Es waren lange bewegliche Finger, die sich in den Gelenken ebensogut auch seitwärts und nach oben wie unten zu biegen schienen. Der von Natur aus furchtlose Indianer bemühte sich, das Entsetzen zu überwinden, welches dieser unheimliche Mensch ihm einflößte.
„Sehr gut, ausgezeichnet“, sagte Salvator wie begeistert und betastete weiter die Geschwulst. Nach beendeter Untersuchung wandte er sich an den Indianer und sagte: „Wir haben jetzt Neumond. Komm in vier Wochen beim nächsten Neumond wieder, und du bekommst dein Kind gesund zurück.“
Er trug das kranke Mädchen durch die Glastür in den Teil des Hauses, wo sich die Baderäume, Operationssäle und Krankenzimmer befanden. Der Neger führte schon den nächsten Patienten in das Untersuchungszimmer — die Alte mit dem kranken Bein. Der Indianer verbeugte sich tief gegen die Glastür, die sich bereits hinter Salvator geschlossen hatte, und ging hinaus.
