Genau achtundzwanzig Tage später öffnete sich dieselbe Glastür. Da stand das kleine Mädchen in einem neuen Kleid, gesund und blühend. Ängstlich sah es auf den Großvater. Der Indianer stürzte auf das Kind zu, nahm es in seine Arme, küßte es und betrachtete seinen Hals. Von der Geschwulst war nichts mehr zu sehen, nur eine kleine rötliche Narbe hatte die Operation zurückgelassen.

Das Mädchen stieß den Großvater mit den Händen zurück und schrie sogar auf, als die Stoppeln des lange nicht rasierten Bartes es beim Kusse stachelten. Er mußte das Kind wieder auf den Boden stellen. Jetzt lächelte der Arzt sogar, streichelte den Kopf des Kindes und sagte: „Nun, da hast du dein Mädchen. Du hast es gerade noch rechtzeitig hergebracht. Einige Stunden später, und sogar ich hätte ihm das Leben nicht erhalten können.“

Das Gesicht des alten Indianers verzog sich in tiefe Falten, die Lippen bebten, und die Augen füllten sich mit Tränen. Erneut hob er das Kind auf, drückte es an seine Brust, fiel vor dem Arzt in die Knie und sagte mit tränenerstickter Stimme: „Ja, Sie haben meiner Enkelin das Leben gerettet. Was kann Euch ein alter Indianer zum Dank anbieten außer dem eigenen Leben?“

„Was soll ich mit deinem Leben?“ fragte verwundert Salvator.

„Ich bin alt, aber noch rüstig“, fuhr der Indianer fort, ohne sich zu erheben. „Für das Gute, das Ihr mir erwiesen habt, will ich für den Rest meines Lebens bei Euch bleiben und Euch dienen wie ein Hund. Ich werde das Kind zu seiner Mutter — meiner Tochter — bringen und selbst zu Euch zurückkehren. Verweigern Sie mir diese Gunst nicht!“

Salvator überlegte. Er nahm sehr ungern und nur mit strengster Vorsicht neue Dienstboten auf. Zwar wäre Arbeit genug da, sogar sehr viel Arbeit, denn Jim wurde im Garten allein schlecht fertig. Dieser Indianer schien ihm ein geeigneter Mensch zu sein, obwohl er einen Neger bevorzugt hätte.



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