Den jungen Perlenfischern brachte er die Geheimnisse ihres Berufes bei: Den Atem richtig anzuhalten, die Angriffe der Haifische abzuwehren und — unterderhand — auch, wie man eine seltene Perle vor dem Chef verstecken kann.

Die Schiffseigner schätzten besonders seine Fähigkeit, die Perlen mit unfehlbarem Blick zu taxieren. Darum nahmen sie ihn gern als Gehilfen und Berater mit.

Balthasar saß auf einem Faß und rauchte langsam eine dicke Zigarre. Das Licht der am Mast befestigten Lampe erhellte sein Gesicht. Es war länglich, mit flachen Wangen, einer geraden Nase und großen, schönen Augen — das Gesicht eines Araukaners. Schwer senkten sich Balthasars Augenlider. Er döste. Aber seine Ohren schliefen nicht. Selbst im tiefsten Dämmern waren sie wachsam angespannt.

Aber augenblicklich vernahm Balthasar nur das Seufzen und Murmeln der Schlafenden. Vom Ufer herüber zog Gestank zur „Meduse“. Um die Perlen leichter ausnehmen zu können, ließ man die Muscheln erst verfaulen.

Nach dem Ausnehmen der Perlen wurden die größten Muscheln auf die „Meduse“ verladen. Surita verkaufte sie an eine Fabrik, die daraus Knöpfe und dergleichen herstellte.

Balthasar schlief und träumte. Die Zigarre entfiel seinen erschlafften Fingern. Der Kopf sank auf die Brust. Aber plötzlich drang irgendein Laut in sein Bewußtsein, der fern vom Ozean herüberwehte. Lauschend öffnete Balthasar die Augen. Nun tönte es wieder, in größerer Nähe. Es schien der Wohlklang eines Horns zu sein, begleitet von einer kräftigen jungen Stimme: „Ah!“ Und dann eine Oktave höher: „Ah-ah!“

Für Balthasar, der sich in Schiffssirenen auskannte, war dieser übermütige Ruf neu und unbekannt. Er erhob sich. Die Schwüle schien ihm plötzlich aufgefrischt. Er trat zur Reling und spähte über das glatte Meer. Stille. Balthasar weckte mit einem Fußtritt den neben ihm auf dem Deck liegenden Indianer und flüsterte ihm zu: „Der Ruf! Das ist wahrscheinlich ER.“



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