„Märchen“, antwortete, immer noch träge, Pedro Surita. Er hatte keine Lust, die noch faulenden stinkenden Muscheln auf die „Meduse“ zu verladen und schon jetzt auszulaufen. Aber es gelang ihm nicht, die Indianer zu überzeugen, Aufgeregt gestikulierend, schrien sie drohend, daß sie gleich morgen früh die „Meduse“ verlassen und zu Fuß nach Buenos Aires gehen würden, wenn Surita nicht sofort die Anker lichte.

„Der Satan hol diesen Meerteufel und euch dazu! Also gut. Bei Morgengrauen laufen wir aus.“ Brummend verschwand der Kapitän in seiner Kajüte. Ihm war der Schlaf vergangen. Er entzündete seine Lampe, steckte sich eine Zigarre an und ging auf und ab. Tief in Gedanken über jenes unbekannte Geschöpf, das seit einiger Zeit sein Unwesen trieb, die Fischer und Uferbewohner ängstigte.

Noch niemand hatte dieses Ungeheuer zu Gesicht bekommen, aber man meinte, es habe sich bereits mehrmals bemerkbar gemacht. Viele Gerüchte waren in Umlauf. Die Fischer flüsterten sie einander zu, sich ängstlich umsehend, als könne das Untier sie belauschen.

Dieses Geschöpf verursachte manchen Leuten großen Schaden, während es anderen unerwartete Hilfe brachte. „Das ist der Meergott“, sagten die alten Indianer, „alle tausend Jahre einmal steigt er aus den Tiefen empor, um die Gerechtigkeit auf Erden wiederherzustellen.“

Die katholischen Priester versicherten den abergläubischen Spaniern, daß es der Meerteufel sei. Er erscheine den Menschen, weil sie die heilige katholische Kirche vergäßen.

Alle diese von Mund zu Mund weitergegebenen Gerüchte drangen bis nach Buenos Aires. Mehrere Wochen lang war der Meerteufel das beliebteste Thema der Chronisten und Feuilletonisten der Boulevardblätter. Wenn Schoner oder Fischerboote aus unbekannten Gründen sanken, Fischnetze zerrissen oder bereits gefangene Fische wieder entschlüpften, so beschuldigte man immer den Meerteufel. Man erzählte aber auch, daß er manchmal große Fische in die Kähne warf. Einmal hätte er sogar einen Ertrinkenden gerettet.



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