Er nahm seinen Marsch durchs Zimmer wieder auf.»Ich sage Ihnen, Schultheiß, bei den Arbeitsbedingungen, die unsere Männer hier haben, werden wir Krankheiten und Unfälle am laufenden Band haben. Zertrümmerungen und Quetschungen und Knochenbrüche, ansteckende Krankheiten, Gelbsucht und >Dystrophie< — wie man hier so schön sagt, wenn einer drauf und dran ist, vor Hunger zu krepieren!«

Er pflanzte sich vor mir auf und schrie mich an:»Aber ich werde mich weigern, Schultheiß! Ich werde den Teufel tun, ich werde nein schreien und dieser russischen Ärztin, diesem Weibsstück, ins Gesicht schlagen. >Ihr Deutsche seid doch Genies<, grinst sie mich an, >was braucht ihr teure Medikamente und Instrumente, das Genie behandelt mit der Improvisation…< — das sagt mir dieses Mistvieh! Und wir müssen die Schnauze halten, wir müssen kuschen, wir müssen es schlucken, wir verdammten, rechtlosen, stinkenden Plennis. Aber ich werde hier nicht den Arzt spielen, ich nicht, Schultheiß!«

Ein Klopfen an der Tür unterbrach ihn.

«Herein!«rief Sellnow mit Stentorstimme, und unser Sanitäter Pelz trat in den Raum.

«Tschuldjen Se, Herr Oberarzt, der Chef nicht hier?«rief Pelz aufgeregt:»Mit Nummer 4583 steht et schlecht… er hat große Schmerzen, und det Opium hilft nischt mehr!«

«Da haben wir's«, schrie Sellnow,»ich habe ja von Anfang an gesagt, daß diese konservative nichtchirurgische Behandlung einer Blinddarmentzündung ein Quatsch ist, jetzt haben wir die Bescherung.«

«Glauben Sie, Herr Oberarzt«, fragte ich leise und erschrocken,»daß der Appendix durchgebrochen ist?«



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