Bolitho fragte sich, ob Keen von Achates wohl ebenso angetan war. Sein letztes Schiff war ein mächtiger 74er gewesen, und vielleicht bedauerte er schon seinen Entschluß, Bolithos Flaggkapitän zu werden.

Die Pferde fielen in Schritt, weil vor ihnen eine Schafherde die schmale Landstraße überquerte. Eine junge Frau, ihr Kind auf der Hüfte und den Mittagsimbiß für ihren Mann in einem Bündel in der anderen Hand, starrte die vorbeifahrende Kutsche an. Sie nickte Bo-litho durchs Fenster zu und lächelte mit blitzenden Zähnen.

Bolithos Gedanken kehrten zu Belinda zurück und dem Kind, das sie erwartete. Würde es ein Sohn werden, der — getreu der Familientradition — einst an Deck eines Schiffes der neuen Generation stehen sollte? Oder eine Tochter, die heranwachsen und das Herz eines Mannes gewinnen würde — Garanten einer Zukunft, die er vielleicht nie erleben durfte? Belinda hatte er von seiner Mission nur wenig erzählt. Der Anlaß hätte sie vielleicht verbittert, wenn sie erst Zeit fand, darüber nachzudenken.

Dabei fiel ihm wieder der Gouverneur von San Felipe ein, der sein kleines Reich bald dem alten Feind übergeben mußte. Allday, der ihm gegenüber nun fest schlief, hatte über Sir Humphrey Rivers, Ritter des Bath-Ordens, einiges beisteuern können. Denn Allday sammelte und hortete Informationen über das Gehen und Kommen bei der Flotte wie eine Elster glitzernde Glasperlen.

Während der Amerikanischen Revolution hatte Rivers eine Fregatte namens Crusader befehligt, etwa zur gleichen Zeit, als Bolitho sein erstes Schiff bekam, die kleine Korvette Sparrow.

Rivers hatte französische Freibeuter gejagt, Prisen aller Art und Größen erbeutet und sich damit bald einen Namen gemacht. Doch vor der Chesapeake Bay hatte er in seinem Eifer, eine amerikanische Brigg zu stellen, die Gefahr unterschätzt und war mit seiner Crusader auf einer Untiefe gestrandet. Das Schiff wurde ein Totalverlust. Rivers war in Gefangenschaft geraten, aber nach dem Krieg an England ausgeliefert worden.



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