Bolitho war dankbar dafür, daß der Weg zu seinem neuen Schiff zu weit war, als daß sie ihn begleiten und das Leben ihres ersten Kindes aufs Spiel setzen konnte. Es war schon schlimm genug, daß er sie jetzt verlassen mußte, obwohl sie ihn so dringend gebraucht hätte. Zwar blieb sein verläßlicher alter Steward Ferguson bei ihr im Haus zurück, auch der Arzt wohnte ganz in der Nähe. Bolithos Schwester Nancy hielt sich öfter bei ihnen auf als in der palastähnlichen Residenz ihres Mannes, des Richters, der weit und breit nur der >König von Corn-wall< genannt wurde. Und nächste Woche wurde Dulcie erwartet, Herricks Frau, die den weiten Weg von Kent auf sich nahm, um Belinda bei der Geburt beizustehen.

Herrick, den seine Beförderung zum Konteradmiral fast in Verlegenheit gebracht hatte, war ein kleines Geschwader unterstellt worden. Er befand sich schon unterwegs nach Gibraltar, wo ihn neue Befehle erreichen würden.

Diesmal erwarteten Bolitho an Bord kaum vertraute Gesichter. Vielleicht war das auch besser so, überlegte er: nichts, was ihn an die Vergangenheit erinnern konnte, an frühere Erfolge und Skrupel.

Belinda sagte in seine Gedanken hinein:»Sei vorsichtig um meinetwillen, Richard. Es fällt mir furchtbar schwer, dich ziehen zu lassen, aber ich weiß ja, daß es nicht anders geht.»

Bolitho hielt sie an sich gepreßt. Warum fand man die rechten Worte immer erst dann, wenn es zu spät war?

Seit er mit seinem Geheimauftrag von der Admiralität zurückgekehrt war, hatte sie es irgendwie geschafft, ihre Enttäuschung, ihren Kummer zu verbergen. Nur einmal, nachts, hatte sie aufgestöhnt.»Warum gerade du? Mußt du denn wirklich fort?«Und dann war sie wieder in einen unruhigen Schlaf gefallen, als wüßte sie, daß es auf ihre Frage keine Antwort gab.

Draußen erklang Alldays Stimme, der das Verladen der letzten Gepäckstücke beaufsichtigte. Armer Allday, dachte Bolitho. So bald nach den Strapazen der französischen Gefangenschaft mußte er nun wieder hinaus. Aber er war stets da, wenn er gebraucht wurde, ein Freund und guter Zuhörer, dem Bolitho sich anvertrauen konnte, falls er einen Gesprächspartner suchte, der außerhalb der Hierarchie stand und offen seine Meinung sagen konnte.



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