
Es war 23.10 Uhr.
Der Streifenwagen, den Ainslie verlangt hatte, war ein blauweißer Chevrolet Impala der Miami Police mit voller Ausstattung - eindeutig ein Dienstfahrzeug.
»Mit Blinklicht und Sirene?« fragte Jorge.
»Noch nicht. Erst mal sehen, wie's läuft.«
Da nur wenig Verkehr war, fuhren sie bereits hundertzwanzig Stundenkilometer, weil sie wußten, daß ein Streifenwagen selbst außerhalb ihres Einsatzbereichs nicht wegen Geschwindigkeitsüberschreitung angehalten werden würde.
Malcolm lehnte sich zurück. Dann griff er nach dem Mobiltelefon und tippte seine Privatnummer ein.
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»Ich kann's nicht glauben, Malcolm! Ich kann's einfach nicht glauben!«
Kurz zuvor war Karens erste Frage gewesen: »Darling, wann kommst du heim?«
Als er antwortete, er werde gar nicht nach Hause kommen, ging ihr Temperament mit ihr durch.
Er bemühte sich vergebens, ihr alles zu erklären und sich zu rechtfertigen.
Jetzt sprach sie erregt weiter: »Du willst's also vermeiden, diesen Schweinehund zu kränken, der's zehnmal verdient hat, morgen früh auf den elektrischen Stuhl zu kommen! Aber es macht dir nichts aus, deinen Sohn an seinem Geburtstag zu enttäuschen. Deinen Sohn, Malcolm, der sich so auf morgen gefreut, der die Tage gezählt und mit dir gerechnet hat... «
Ainslies Stimme wurde schärfer. »Karen, ich muß dort hin«, unterbrach er sie. »Mir bleibt keine andere Wahl. Keine!«
Als sie daraufhin schwieg, fuhr er fort: »Hör zu, ich versuche, von Jacksonville oder Gainesville aus nach Toronto zu fliegen. Du kannst meinen Koffer mitnehmen.«
