Am nächsten Morgen fuhr Jorge Rodriguez gemeinsam mit Malcolm Ainslie auf der Suche nach Tatzeugen in einem neutralen Dienstwagen durch Overtown. Auf der Northwest Third Avenue sah Jorge in der Nähe der Fourteenth Street zwei Drogenhändler, die er unter ihren Straßennamen Big Nick und Shorty Spudman kannte. Gegen Shorty lag ein Haftbefehl wegen schwerer Körperverletzung vor.

Die beiden Kriminalbeamten stiegen rasch aus. Als sie sich von zwei Seiten näherten, um den Dealern den Fluchtweg abzuschneiden, stopfte Nick etwas in seine Hose. Er hob lässig den Blick. Jorge gab die Richtung des Gesprächs vor. »Hey, Nick, wie geht's?«

Nicks Antwort klang mißtrauisch. »Okay, was gibt's, Mann?«

Dealer und Cops starrten einander an Alle vier wußten, daß eine Leibesvisitation Drogen, vielleicht auch Waffen zutage gefördert und den beiden erheblich vorbestraften Drogenhändlern lange Haftstrafen eingebracht hätte.

Jorge fragte den pockennarbigen Shorty Spudman, der nicht mal einssechzig groß war: »Hast du von dem deutschen Touristen gehört, der gestern ermordet worden ist?«

»Hab's im Fernsehen gesehen: Diese Punks, die Touristen abknallen, das sind echt üble Typen.«

»Auf der Straße wird also darüber geredet?«

»Nicht viel.«

Ainslie mischte sich ein. »Ihr tut euch selbst einen Gefallen, Jungs, wenn ihr uns ein paar Namen nennt.«

Seine Aufforderung war klar: Schließen wir einen Handel ab. Aus der Sicht der Kriminalbeamten war die Aufklärung eines Mordes wichtiger als vieles andere. Als Gegenleistung für Informationen konnten geringfügigere Straftaten übersehen werden - sogar ein Haftbefehl.

Aber Big Nick behauptete: »Wir kennen keine gottverdammten Namen.«



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