
Jorge zeigte auf seinen Dienstwagen. »Dann nehmen wir euch am besten aufs Revier mit.« Wie Nick und Shorty wußten, war im Polizeipräsidium eine Leibesvisitation unvermeidlich, und der Haftbefehl würde dort nicht ausbleiben.
»Augenblick!« sagte Shorty hastig. »Hab' gestern abend von ein paar Nutten gehört, daß zwei Kerle 'nen Weißen erschossen haben und mit seinem Wagen abgehauen sind.«
Jorge: »Haben die Mädchen gesehen, wie's passiert ist?«
Shorty zuckte mit den Schultern. »Vielleicht.«
»Her mit den Namen.«
»Ernestine Smart und 'ne andere, die sich Flame nennt.«
»Wo können wir sie finden?«
»Ernestine schläft in River und Three. Von Flame weiß ich nichts.«
»Du redest von der Obdachlosensiedlung zwischen Third und North River?« fragte Jorge.
»Yeah.«
»Habt ihr uns Scheiß erzählt«, erklärte Jorge den beiden, »kommen wir zurück und finden euch. Taugt die Auskunft was, habt ihr bei uns was gut.«
Jorge und Ainslie gingen zu ihrem Dienstwagen zurück. Bis sie eine der Prostituierten gefunden hatten, verstrich eine weitere Stunde.
Die Obdachlosensiedlung in der Third Street lag unter der I-95 am Miami River. Da sie ursprünglich ein Parkplatz gewesen war, standen absurderweise noch immer Dutzende von Parkuhren zwischen unzähligen Behelfsunterkünften aus Karton und Plastikfolie. In dieser an ein Elendsquartier in irgendeinem unterentwickelten Land erinnernden Umgebung führten Menschen ein verzweifeltes, elendes Dasein. Überall in und um die Siedlung türmten sich Abfallberge. Jorge und Ainslie stiegen vorsichtig aus, denn sie wußten, daß sie hier jederzeit in Exkremente treten konnten.
Sie erfuhren, daß Ernestine Smart und Flame gemeinsam eine Sperrholzkiste bewohnten, deren Beschriftung zeigte, daß sie früher Lastwagenreifen enthalten hatte. Jetzt stand sie auf dem ehemaligen Parkplatz am Fluß. In die Rückwand der Kiste war eine Tür gesägt worden, die von außen mit einem Vorhängeschloß gesichert werden konnte. Nun stand die Tür offen.
